Variante der MBB Bo 105
MBB Bo 105 Bo 105M (VBH)
Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber (VBH) des deutschen Heeres: ein Bo 105CB mit verstärktem Getriebe und leistungsstärkerem Heckrotor, der die Alouette II ablöste. Es wurden 100 Exemplare ausgeliefert, 2004 ausgemustert und durch entwaffnete PAH-1 (P1M) ersetzt.
- 100
- Gebaute Exemplare
- 320 km
- Reichweite
Geschichte
Der Bo 105M ist die militärische Verbindungs- und Beobachtungsversion des Bo 105 für die Heeresfliegertruppe, die ihn als VBH (Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber) bezeichnete. Die Bundeswehr bestellte den Typ 1974 als leichten Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber, ein Jahr bevor sie ihn zusätzlich als Panzerabwehrplattform wählte; für die Heeresfliegerverbände wurden 100 VBH und 212 PAH-1 ausgeliefert. Obwohl er die Familienbezeichnung mit dem Bo 105P teilt, betont die deutsche Wikipedia, dass der M eine völlig eigenständige, unbewaffnete Baureihe war und keine bloße Variante des Panzerabwehrhubschraubers.
Technisch leitete sich der Bo 105M vom zivilen Bo 105CB ab, jedoch mit einem leistungsstärkeren Getriebe und einem Heckrotor mit höherem Schub als in der Serienversion. Dieser Antriebsstrang und die Avionik bildeten später die Grundlage des PAH-1, der eine verstärkte Zelle, das Dopplerradar und das Waffensystem hinzufügte. Das Hauptgetriebe FS 110 (Flugsondergetriebe; die 110 bezieht sich auf seine Eingangsleistung von 2 × 55 kpm), das zunächst in den Militärversionen M und P verbaut wurde, fand in den neunziger Jahren schließlich auch Eingang in die zivile Version CBS-5. Im Heer löste der Bo 105M die Alouette II bei Verbindungs- und Beobachtungsaufgaben ab.
Das Datenblatt, das die Maschine auf der ILA Berlin zeigte, nennt folgende Werte: fünf Sitzplätze; zwei Allison-Turbinen 250-C20B mit je 400 PS Wellenleistung, Hauptrotordrehzahl 424 U/min; vier von Hand klappbare Blätter und zweiblättriger Heckrotor; Höchstgeschwindigkeit 270 km/h, Reisegeschwindigkeit 220 km/h und Marschgeschwindigkeit 200 km/h; Überführungsreichweite 320 km ohne Zuladung; Steigrate 8 m/s; Gesamtlänge mit Rotoren 11,86 m, Rumpflänge 8,56 m, Höhe 3,02 m, Hauptrotordurchmesser 9,84 m (Kreisfläche 76,05 m²) und Heckrotordurchmesser 1,90 m; Leergewicht 1.670 kg, Startgewicht mit Außenlast 2.400 kg, Nutzlast 691 kg und 290 kg Kraftstoff. Das Triebwerk 250-C20B mit 298 kW, 70 kg Gewicht, 1.036 mm Länge und 485 mm Durchmesser wurde zwischen 1979 und 1983 von MTU in Deutschland für die Militärvariante des Bo 105 gefertigt.
Bis zur deutschen Wiedervereinigung dienten die VBH in den Stabsschwadronen der Heeresfliegerkommandos, in den Divisionshubschrauberstaffeln, an der Heeresfliegerwaffenschule und in einem Hubschrauberregiment. Nach der Wiedervereinigung und der Umstrukturierung der Bundeswehr wurden sie auf die Mittleren Transporthubschrauberregimenter, die Verbindungs- und Aufklärungsstaffel 400 sowie die Waffenschule verteilt, wo sie als Schulungshubschrauber für angehende Piloten dienten. Sie trugen die taktischen Kennungen 80+01 bis 81+00.
Die Bo 105M der Bundeswehr wurden 2004 ausgemustert, wodurch eine Fähigkeitslücke bei Verbindung und Ausbildung entstand. Da die noch im Dienst befindlichen PAH weniger Flugstunden angesammelt hatten, entschied man sich, sie zu VBH umzurüsten: Zwischen 2006 und 2014 baute Eurocopter 67 Bo 105 PAH um, entfernte das Waffensystem und setzte die hintere Sitzbank wieder ein, unter der neuen Bezeichnung Bo 105 P1M; diese flogen bis zu ihrer Ausmusterung Ende 2016 am Internationalen Hubschrauber-Ausbildungszentrum Celle. Zwölf überzählige Zellen wiederum wurden als Bo 105E-4 vermarktet: Laut der deutschen Wikipedia handelt es sich um die vermarktete Version des Bo 105M, die sich technisch von diesem unterscheidet, während die englische Wikipedia sie als überholte Bo 105P beschreibt. Anfang 2000 unterzeichneten das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) und Eurocopter eine Rahmenvereinbarung über ihre Rückgabe und Wiedervermarktung; die erste E-4 (Werknummer 5087) flog am 25. Januar 2007 in Donauwörth mit dem Testpiloten Rene Nater und dem Prüfer Bernhard Röper, und am 24. April 2007 landeten die ersten beiden der zwölf Maschinen nach einem Überführungsflug in Tirana, um in Albanien als Rettungs-, VIP- und Verbindungshubschrauber zu dienen.
Ein Bo 105M überlebt als Denkmal: Seit 2011 ist er Teil der Installation des Künstlers Alfred Gockel am Autobahnkreuz Kamen (Kamener Kreuz), ohne Innenausstattung und in dem für die Rettungshubschrauber des ADAC charakteristischen Gelb lackiert.