Variante der Douglas DC-2

Douglas DC-2B

DC-2-Version mit Bristol Pegasus VI Sternmotoren mit 750 PS, gebaut für LOT Polish Airlines; zwei 1935 gekaufte Flugzeuge (SP-ASK und SP-ASL) sowie ein drittes, 1937 von der Lufthansa erworbenes (SP-ASJ), betrieben bis 1939.

Eintrag zur Douglas DC-2

Douglas DC-2B
LOT DC-2 SP-ASL, Matson-Sammlung der Library of Congress (22393u)
2
Gebaute Exemplare
14
Passagiere

Geschichte

DC-2B war die Bezeichnung für Douglas-DC-2-Verkehrsflugzeuge, die anstelle der serienmäßigen Wright Cyclone mit britischen Bristol Pegasus VI Sternmotoren mit 750 PS (560 kW) ausgerüstet waren. Sie ist eine der seltensten zivilen Varianten des Typs: Nachschlagewerke beschreiben zwei DC-2, die mit diesem Triebwerk an die polnische Fluggesellschaft LOT Polish Airlines verkauft wurden, wobei LOT selbst zwischen 1935 und 1939 drei DC-2B betrieb, weil zu den beiden neu gekauften Maschinen später ein drittes, gebrauchtes Exemplar hinzukam. Verglichen mit den Wright Cyclone mit 710 bis 875 PS der 156 zivilen Standard-DC-2 lieferte der Pegasus VI laut polnischen Quellen eine Nennleistung von 493 kW (670 PS) und eine Startleistung von 570 kW (775 PS).

Die Wahl britischer Motoren für ein amerikanisches Verkehrsflugzeug spiegelt den industriellen und wirtschaftlichen Kontext Polens in den 1930er Jahren wider: Der Pegasus war ein der polnischen Luftfahrtindustrie vertrauter Motor, und LOT betrieb damals eine gemischte Flotte aus deutschen, amerikanischen und einheimischen Konstruktionen. Die DC-2 kam 1935 zur LOT-Flotte, gefolgt von der Lockheed Model 10A Electra 1936 und der Lockheed 14H Super Electra 1938. In dieser Zeit verfügte die Fluggesellschaft über zehn Lockheed 10A, zehn Lockheed 14, drei DC-2 und eine Junkers Ju 52/3mge, und ihr Streckennetz, das in den Vorjahren nach Berlin, Athen, Helsinki und Budapest erweitert worden war, reichte 1939 bis Beirut, Rom und Kopenhagen, insgesamt 10.250 km Strecken. Mit ihrer Kabine für 14 Passagiere, einer Besatzung von zwei oder drei Personen, Blindflugausrüstung, einem Autopiloten und einem doppelt ausgeführten Satz Fluginstrumente war die DC-2 damals das modernste Verkehrsflugzeug der polnischen Flotte.

Douglas DC-2B
LOT DC-2 SP-ASL, Matson-Sammlung der Library of Congress (22392u)

Die ersten beiden 1935 gekauften Flugzeuge erhielten die Kennzeichen SP-ASK und SP-ASL. Im Februar 1937 kaufte LOT von der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa eine dritte DC-2 in zerlegtem Zustand, die die Deutschen auseinandergenommen hatten, um ihre Struktur zu studieren; nach dem Zusammenbau in Polen wurde sie als SP-ASJ zugelassen. Dieses in den Unterlagen als DC-2-115D geführte Flugzeug hatte ein sehr kurzes Leben: Am 23. November 1937 stürzte es während eines Linienflugs zwischen Thessaloniki und Sofia im Pirin-Gebirge in Bulgarien ab, wobei alle sechs Menschen an Bord starben, darunter Kapitän Tadeusz Dmoszyński. Laut polnischen Quellen vereiste das Flugzeug nach dem Einflug in eine Sturmzone in etwa 3.300 Metern Höhe, und das Wrack wurde am 27. November 1937 in rund 2.600 Metern über dem Meeresspiegel gefunden. Einige Quellen beschreiben den Flug als Verbindung Thessaloniki–Bukarest, andere verorten ihn auf der Strecke Thessaloniki–Sofia.

Der Zweite Weltkrieg beendete die Laufbahn der beiden verbliebenen DC-2B. Im September 1939 evakuierte LOT ihre Flotte aus Polen. SP-ASK wurde in Riga interniert und ging nach der sowjetischen Annexion Lettlands an die sowjetische Luftfahrt über; sie wurde 1941 während des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion zerstört, laut der englischen Wikipedia am Boden des Flughafens Spilve durch deutsche Jagdflugzeuge. SP-ASL wurde nach Rumänien evakuiert, wo sie zusammen mit den anderen polnischen Flugzeugen, die das Land erreicht hatten, interniert wurde. In dem Versuch, einen Teil der Flotte zurückzugewinnen, inszenierte die LOT-Führung einen fiktiven Verkauf der DC-2, ihrer Lockheed 14H und 10A sowie einer Junkers Ju 52 an die britische Fluggesellschaft Imperial Airways und wies ihnen britische Kennzeichen zu; der Druck der deutschen Botschaft in Bukarest verhinderte ihre Rückkehr, und nach einigen Monaten wurde die DC-2 von der rumänischen Verkehrsluftfahrt übernommen.

Was die technischen Daten betrifft, schreiben polnische Quellen der DC-2 eine Spannweite von 25,9 m, eine Länge von 18,9 m, eine Leermasse von 5.590 kg, eine Zuladung von 2.660 kg und eine Gesamtmasse von 8.250 kg zu, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h, einer Reisegeschwindigkeit von 264 km/h, einer Gipfelhöhe von 7.000 m und einer Reichweite von 1.770 km, wenngleich andere Veröffentlichungen leicht abweichende Werte angeben (5.400 kg Leermasse, 8.400 kg Gesamtmasse, 340 km/h Höchstgeschwindigkeit, 6.840 m Gipfelhöhe und 1.745 km Reichweite). Diese Werte gelten für die DC-2 im Allgemeinen; eine spezifische Leistungstabelle für die DC-2B mit Pegasus-Motoren wurde nicht gefunden, weshalb dieser Eintrag keine variantenspezifischen Werte verzeichnet. Ebenso wenig ist dokumentiert, ob das dritte Flugzeug, die ehemalige Lufthansa-Maschine SP-ASJ, die Pegasus-Motoren ihrer Flottenschwestern behielt oder beim Zusammenbau in Polen umgerüstet wurde.

Multimedia

Douglas DC-2B
LOT DC-2 SP-ASL, Matson-Sammlung der Library of Congress (22392u)
Douglas DC-2B
SP-ASJ Douglas DC-2-115D in Almaza, 1937
Douglas DC-2B
LOT DC-2 SP-ASK, Matson-Sammlung der Library of Congress (17833u)
Douglas DC-2B
LOT DC-2 SP-ASK, Matson-Sammlung der Library of Congress (17832u)
Douglas DC-2B
Douglas DC-2 (SP ASK) a Walter Pegas