Variante der Consolidated B-24 Liberator
Consolidated B-24 Liberator B Mk.II / LB-30
Kampfversion der Liberator, nach britischer Spezifikation für die RAF gebaut: verlängerter vorderer Rumpf, Boulton-Paul-Türme und selbstabdichtende Tanks. Aus dem Los von 165 Flugzeugen beschlagnahmte die USAAF nach Pearl Harbor etwa 75 und setzte sie als LB-30 auf Java, in Panama, auf den Aleuten und als Transporter ein.
Eintrag zur Consolidated B-24 Liberator

- 165
- Gebaute Exemplare
Geschichte
Die Liberator B Mk.II war die erste Version des Consolidated-Bombers, die für den echten Kampfeinsatz gebaut wurde, und ihre Geschichte ist mit einer geerbten Bezeichnung verknüpft: LB-30. Die Buchstaben stammten aus einem französischen Auftrag. Frankreich gab im Mai 1938 eine Spezifikation für einen schweren Bomber heraus, und Consolidated antwortete mit dem Model 30, einem von seinem Flugboot Model 29 abgeleiteten Landbomber – daher „Land Bomber 30“. Als Paris den Auftrag im Juni 1940 tatsächlich erteilte, war die Firma bereits zum Model 32 (der XB-24) übergegangen, und nach dem Fall Frankreichs gingen die Verträge an Großbritannien über. Die Bezeichnungen dürfen nicht verwechselt werden: Die sechs Vorserienmaschinen LB-30A, nahezu identisch mit der YB-24 und mit der kurzen Nase, hatten keine selbstabdichtenden Tanks, wurden von der RAF für Einsätze über Europa ausgeschlossen und landeten unbewaffnet im transatlantischen Pendeldienst des Ferry Command. Die B Mk.II ist ein anderes Flugzeug.
Die RAF bestellte direkt ein Los von 165 Liberator II ohne Vertragsnummern der USAAF, gebaut in San Diego nach britischen Spezifikationen und mit britischer Ausrüstung. Aus diesem Grund gibt es in der B-24-Reihe kein genaues Gegenstück, auch wenn sie technisch der B-24C ähnelte. Die auffälligste Änderung war der verlängerte vordere Rumpf: Die allgemeine Darstellung beschreibt ein 79 cm langes Einsatzstück vor dem Flügel, während die Variantenliste es auf drei Fuß rundet. Der zusätzliche Raum diente der Besatzung und vor allem neuer Ausrüstung wie dem Radar ASV Mark II, und laut derselben Quelle entsprach er einer Ahnung Reuben Fleets, der die Nase schon immer für zu kurz gehalten hatte. Hinzu kamen ein tieferer hinterer Rumpf, ein breiteres Höhenleitwerk, Panzerung und selbstabdichtende Tanks. Als Motoren dienten Pratt & Whitney R-1830-S3C4G mit Zweigang-Ladern, die Curtiss-Electric-Propeller mit voller Segelstellung antrieben.

Sie war zudem die erste Liberator mit kraftbetriebenen Türmen, allesamt von Boulton Paul. Der Rückenturm mit vier 7,7-mm-Browning-MGs saß weiter hinten als bei jeder amerikanischen Version, auf Höhe der Flügelhinterkante; der Heckturm war ein Type E. Nur das erste Flugzeug, als Mustermaschine fertiggestellt und bei einem Testflug verloren, verließ das Werk bewaffnet: Die übrigen wurden ohne Waffen ausgeliefert, und die Türme wurden im Vereinigten Königreich eingebaut. Die Quellen sind sich über die Gesamtzahl der Waffen uneinig: Eine zählt elf (acht in den beiden Türmen, eine in der Nase und zwei in den Rumpfseiten), eine andere kommt auf vierzehn, indem sie Paare von Seiten-MGs, ein Bug-MG und ein Bauch-MG hinzurechnet. Die maximale Startmasse stieg leicht auf 29.140 kg, und die Gipfelhöhe wuchs von etwa 6.500 auf etwa 7.300 m, doch der Luftwiderstand senkte die Höchstgeschwindigkeit auf 423 km/h.
Im britischen Dienst wurden die Liberator II auf das Coastal Command, das Bomber Command und die staatliche Fluggesellschaft BOAC verteilt. Mehrere wurden zu unbewaffneten Langstreckenfrachtern, die das Vereinigte Königreich auf einem weiten atlantischen Umweg um Spanien mit Ägypten verbanden, und sie wirkten an der Evakuierung Javas mit. Zwei Bomberstaffeln der RAF mit Liberators verlegten Anfang 1942 in den Nahen Osten. Die zu Transportern umgebauten Maschinen erhielten die Bezeichnung C Mk.II; eine davon war „Commando“, das persönliche Flugzeug Winston Churchills, später auf den Standard C Mk.IX mit einem einzelnen Seitenleitwerk umgebaut.
Nach dem Angriff auf Pearl Harbor behielt die USAAF etwa 75 für die RAF bestimmte Flugzeuge und flog sie unter der Herstellerbezeichnung LB-30. Sie passte sie ihrer eigenen Praxis an: 12,7-mm-Maschinengewehre statt der britischen Waffen, ein Martin-Rückenturm mit zwei Waffen anstelle des vierläufigen Boulton Paul und eine handbediente Heckstellung mit zwei Waffen statt des kraftbetriebenen Turms. Zwölf LB-30, die mit der 11th Bombardment Squadron (7th Group) nach Java geschickt wurden, flogen Mitte Januar die ersten amerikanischen Kampfeinsätze mit der Liberator; zwei kehrten von japanischen Jägern zerschossen zurück: Eine wurde wegen der Gefechtsschäden abgeschrieben, die andere machte eine Bruchlandung an einem Strand. Auch die 19th Group setzte sie auf Java ein, die 6th in der Panamakanalzone, die 7th brachte eine größere Gruppe nach Indien, und die 29th flog sie von Alaska aus über den Aleuten. Am 6. Juni 1942 versuchten vier LB-30 aus Hawaii mit Zwischenstopp auf Midway, Wake Island anzugreifen, konnten die Insel aber nicht finden. Dreiundzwanzig Flugzeuge gingen 1943 an die RAF zurück.
Ein einzelnes Flugzeug fasst die Vielseitigkeit des Typs zusammen. AL557 wurde am 13. Oktober 1941 in Dorval, Quebec, übernommen und flog ab dem 17. März 1942 bei den No. 224 und 120 Squadrons des Coastal Command; danach diente sie bei der No. 511 Squadron, die mit BOAC den Rückflugdienst des Ferry Command betrieb, und beim 1445 Flight, und im Juli 1943 erreichte sie Indien als Transporter der No. 159 Squadron. 1945 baute Scottish Aviation sie für Passagiere um; sie flog im griechischen Register bei Hellenic Airways und stürzte schließlich in Alaska ab, und ihre Überreste werden heute in den Vereinigten Staaten restauriert. Zum zivilen Leben der LB-30 gehörte auch Qantas, die ab Juni 1944 zwei umgebaute Flugzeuge auf ihrer Route über den Indischen Ozean einsetzte: Sie legten die 4.952 km von Learmonth nach Ceylon in 17 Stunden mit 2.500 kg Nutzlast zurück, während die Catalinas 27 Stunden brauchten und nur 450 kg beförderten.
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