Variante der BAe 146

BAe 146-300

Endgültige gestreckte Version der BAe 146: Rumpf 2,34 m länger als die -200, 100 Sitze in Fünferreihen, Erstflug am 1. Mai 1987 und Auslieferungen ab Dezember 1988. Grundlage der Avro RJ100 und des Frachters 146-300QT.

Eintrag zur BAe 146

BAe 146-300
Eurowings B Ae 146-300
1. Mai 1987
Erstflug
71
Gebaute Exemplare
2.817 km
Reichweite
128
Passagiere

Geschichte

Die BAe 146-300 ist die größte der drei Versionen des britischen vierstrahligen Regionaljets und die letzte, die auf den Markt kam. British Aerospace stellte seine ersten Vorschläge für eine gestreckte 146 auf der Farnborough Air Show 1984 vor. Jenes erste Projekt war ehrgeizig: Der Rumpf sollte gegenüber der -200 um 3,2 m wachsen und 122 Passagiere bei 32 Zoll Sitzabstand oder bis zu 134 bei 29 Zoll erlauben; das Flugzeug sollte leistungsstärkere ALF-502R-7-Triebwerke mit 33 kN (7.500 lbf) sowie Winglets zur Verbesserung der Reiseflugeffizienz erhalten.

Die Fluggesellschaften bevorzugten jedoch einen niedrigeren Anschaffungspreis gegenüber minimierten Kosten pro Sitzmeile, und die endgültige 146-300 entstand als weniger extreme Weiterentwicklung. Die letztlich gewählte Rumpfstreckung betrug 2,34 m, ausreichend für eine Kabine mit 100 Sitzen in Fünferreihen bei 31 Zoll Sitzabstand, und sowohl die Winglets als auch die ALF-502R-7 entfielen: Das Flugzeug behielt dieselben 31,0-kN-ALF-502R-5-Turbofans wie die -200. Damit blieben auch die Flügelspannweite von 26,34 m und die Flügelfläche von 77,30 m² erhalten, sodass die zusätzliche Kapazität ohne Neukonstruktion des Flügels erreicht wurde.

BAe 146-300
Air Dolomiti B Ae 146-300Enrico Pierobon (GFDL), vía commons

Der aerodynamische Prototyp der -300 wurde aus dem allerersten geflogenen BAe 146, dem Prototyp der 146-100 G-SSSH, gebaut, der verlängert und als G-LUXE neu zugelassen wurde. Er flog erstmals am 1. Mai 1987, die Zulassung folgte im September desselben Jahres; das EASA-Musterzulassungsdatenblatt verzeichnet den Zulassungsantrag für die Series 300 im September 1987 und die britische CAA-Zulassung am 6. September 1988. Die kommerziellen Auslieferungen begannen im Dezember 1988. Mit 30,99 m Länge (30,00 m laut EASA-Datenblatt) und 8,59 m Höhe, einem Betriebsleergewicht von 24.878 kg und einem maximalen Startgewicht von 44.225 kg bot die -300 praktisch maximal 128 Sitze in Sechserreihen bei 29 Zoll Sitzabstand, mit alternativen Bestuhlungen von 100 Sitzen in Fünferreihen und 116 in Sechserreihen. Die Reisegeschwindigkeit betrug 790 km/h, die Reichweite mit Standardtankfüllung 2.817 km, mit maximaler Nutzlast 1.927 km.

Wie bei der -200 wurde auch eine Frachterversion angeboten, die 146-300QT Quiet Trader, mit einem Betriebsleergewicht von 23.126 kg, demselben maximalen Startgewicht und einer maximalen Nutzlast von 12.490 kg, befördert auf Standardpaletten von 2,74 × 2,24 m oder in LD3-Containern; zudem entstand eine wandelbare Passagier-/Frachtversion, die 146-300QC Quick Change. Die -300QT-Frachter wurden in Dothan, Alabama, umgebaut: Die Zelle E3194 etwa lief 1991 in Woodford vom Band, flog am 10. April desselben Jahres erstmals und wurde eine Woche später zur Umrüstung nach Dothan überführt. Betreiber wie National Jet Express in Australien fliegen weiterhin 146-300QT im nächtlichen Expressfrachtdienst für Qantas Freight, mit einem 93 m³ großen Laderaum und laut Betreiber einer maximalen Nutzlast von 12.600 kg.

Die Produktion der 146-300 endete Anfang 1993 nach 71 gebauten Exemplaren, Passagier-, QT- und QC-Versionen zusammengerechnet. Ihr direkter Nachfolger war die Avro RJ100, die zweite der Avro-RJ-Versionen, die den Rumpf der -300 übernahm, jedoch LF-507-Triebwerke, modernisierte Avionik und eine neue Kabine einführte; eine RJ115 gleicher Größe mit höherem maximalem Startgewicht und anderen Notausgängen wurde vermarktet, ging aber nie in Produktion. 2009 kündigte BAE Systems zudem das Programm BAe 146M an, um gebrauchte zivile -200- und -300-Flugzeuge in Passagier- oder Frachterkonfiguration an militärische Betreiber zu liefern.

Der Prototyp G-LUXE selbst erlebte ein zweites Leben: Zwischen 2001 und 2004 baute BAE Systems ihn zur 146-301 ARA um, dem atmosphärischen Forschungsflugzeug des britischen FAAM Airborne Laboratory, als Ersatz für die Hercules W2; 2025 überschritt er die Marke von 10.000 Flugstunden und soll bis 2040 im Dienst bleiben. Zu den Unfällen mit dieser Version zählen Flug 2119 von China Northwest, eine 146-300 mit dem Kennzeichen B-2716, die am 23. Juli 1993 mit 113 Personen an Bord beim Start in Yinchuan abstürzte, sowie ein Frachter von Aviastar Mandiri, der am 9. April 2009 den Berg Pike bei Wamena traf und dessen sechsköpfige Besatzung ums Leben kam. Der vordere Rumpf einer 146-300 ist im South Australian Aviation Museum in Adelaide erhalten.

Multimedia

BAe 146-300
Air Dolomiti B Ae 146-300Enrico Pierobon (GFDL), vía commons
BAe 146-300
Ansett New Zealand B Ae 146-300Colin Zuppicich (GFDL), vía commons
BAe 146-300
B Ae 146-300 von Ansett am Flughafen WoomeraWally H (CC BY SA), vía commons
BAe 146-300
bae-146-300Alexander Jonsson (GFDL), vía commons
BAe 146-300
Palmair B Ae 146-300Aldo Bidini (GFDL), vía commons
Quellen: Airliners.net (Frawley) · EASA TCDS EASA.A.182