Wussten Sie…
Mit welcher Geschwindigkeit startet eine Boeing 747?
Kurze Antwort
Eine Boeing 747 hebt bei nahezu maximaler Masse mit etwa 290-320 km/h (155-175 kn) von der Landebahn ab; im leichten Zustand kann sie schon unter 270 km/h (145 kn) rotieren. Es gibt keinen festen Wert: Die Besatzung berechnet vor jedem Start V1, VR und V2 anhand von Masse, Klappenstellung, Temperatur, Flughafenhöhe und Wind.

Drei Geschwindigkeiten, nicht eine
Der Start eines Verkehrsjets wird anhand von drei Referenzgeschwindigkeiten geplant. V1 ist die Entscheidungsgeschwindigkeit: Oberhalb davon wird der Start fortgesetzt, selbst wenn ein Triebwerk ausfällt. VR ist die Rotationsgeschwindigkeit, der Moment, in dem der Pilot das Steuerhorn zieht und sich die Nase hebt. V2 ist die Sicherheitsgeschwindigkeit, die das Flugzeug nach dem Abheben mit einem ausgefallenen Triebwerk beibehalten muss. Bei einer vollgeladenen 747-400 auf einem Interkontinentalflug liegen diese Werte bei etwa 150, 165 und 180 kn (280, 305 und 335 km/h).
Wovon der Wert abhängt
Die Zahl ändert sich bei jedem Flug. Je größer die Masse, desto mehr Auftrieb wird benötigt, und desto schneller muss das Flugzeug sein, bevor es rotiert. Die Klappen verändern die Form der Tragfläche: Mit mehr Ausschlag kann das Flugzeug bei geringerer Geschwindigkeit starten, allerdings um den Preis einer schlechteren Steigrate. Temperatur und Höhe des Flughafens verringern die Luftdichte, was höhere tatsächliche Geschwindigkeiten und längere Landebahnen erfordert. Deshalb braucht eine 747, die an einem Sommernachmittag Mexiko-Stadt verlässt, viel mehr Landebahn als eine, die im Winter von Amsterdam startet. Gegenwind verkürzt den Startlauf, da ein Teil der Fahrtgeschwindigkeit bereits durch die bewegte Luft geliefert wird.
Startlauf und Landebahn
Bei maximaler Masse benötigt eine 747-400 etwa 3.000 m Landebahn zum Start, und die schwerere 747-8 braucht etwas mehr. Die Leistungstabellen des Herstellers, die heute in das Flugmanagementsystem integriert sind, berechnen die Kombination aus Schub, Klappenstellung und Geschwindigkeiten, die garantiert, dass das Flugzeug selbst bei einem Triebwerksausfall bei V1 entweder auf der verbleibenden Landebahn anhalten oder weiterfliegen und die Hindernisse überfliegen kann. Diese doppelte Sicherheitsmarge bestimmt letztlich den Wert, den die Piloten auf ihrem Bildschirm sehen, und das ist auch der Grund, warum viele Starts mit reduziertem Schub durchgeführt werden: Wenn Landebahn übrig ist, werden die Triebwerke geschont.
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