Variante der Messerschmitt Bf 109
Messerschmitt Bf 109 H-1
Höhenjäger der H-Serie: eine Bf 109 mit auf 11,92 m vergrößerter Spannweite, Druckkabine und GM-1-Leistungssteigerung. Eine kleine H-0/H-1-Vorserie, 1944 in Frankreich erprobt und wegen Flügelflattern eingestellt.
Eintrag zur Messerschmitt Bf 109

Geschichte
Die Bf 109 H war der Versuch von Messerschmitt, mit möglichst geringem Entwicklungsaufwand einen Höhenjäger zu erhalten, der die durch das Scheitern der Projekte Me 155 und Me 209 entstandene Lücke im Bestand der Luftwaffe füllen sollte. Anfang 1943 schlug das Unternehmen dem Reichsluftfahrtministerium (RLM), parallel zur Weiterentwicklung der G-Serie, eine Ableitung der F-Serie vor: Die Spannweite wuchs auf 11,92 m durch ein neues rechteckiges Mittelstück mit konstanter Flügeltiefe, das am Rumpf befestigt wurde und an das die unveränderten Außenflügel angesetzt wurden. Historyofwar nennt für die verlängerte Spannweite eine abweichende Zahl, 13,25 m, die keine andere herangezogene Quelle stützt. Die Hauptfahrwerksdrehpunkte wanderten an die äußeren Enden dieses Mittelstücks, wodurch sich die Spurweite erheblich vergrößerte und sich der der Fw 190 annäherte; das Flugzeug ließ sich dadurch leichter starten und landen und neigte weniger zu den Bodenschwenkern, die die Bf 109 von Anfang an geplagt hatten. Die Beine fuhren weiterhin in die Schächte der ursprünglichen Außenflügel ein, und das Flugzeug behielt den Vorteil, auch ohne montierte Flügel auf eigenem Fahrwerk zu stehen. Das ebenfalls verbreiterte Höhenleitwerk erhielt die Abstrebungen zum Rumpf zurück, die schon die Versionen B bis E getragen hatten.
Das erste Erprobungsflugzeug der Serie war eine F-Serien-Zelle, die V49, umbenannt in Bf 109 H V1, die Daimler-Benz für Leistungsversuche in Stuttgart-Echterdingen einsetzte und dabei mehrfach Höhen über 12.000 m erreichte; dafür erhielt sie die mit der G-Serie eingeführte Druckkabine, die der F-Serie gefehlt hatte. Historyofwar setzt den Erstflug des Prototyps Bf 109 V54 auf den 5. November 1943 mit zufriedenstellenden ersten Ergebnissen an und vermerkt, dass ein zweiter Prototyp, die V55, am 25. Februar 1944 bei einem Luftangriff zerstört wurde; spätere Versuche mit der V54 fielen weniger überzeugend aus, wenngleich das Programm fortgesetzt wurde.

Im Sommer 1943 wurde die Vorserie H-0 aufgelegt, umgebaut aus F-4/Z-Zellen, mit einem 1.350-PS-DB-601-E-Triebwerk und dem GM-1-Lachgaseinspritzsystem zur Aufrechterhaltung der Leistung in großer Höhe; die Bewaffnung bestand aus zwei 7,92-mm-MG-17-Maschinengewehren und einer 30-mm-MK-108-Kanone, die durch die Propellernabe feuerte. Trotz eines Startgewichts von 3.800 kg übertraf die H-0 laut deutscher Wikipedia 740 km/h in 14.000 m, während die englische Wikipedia und historyofwar eine Höchstgeschwindigkeit von 750 km/h in 10.100 m angeben.
Auf die H-0 folgte eine kleine H-1-Serie. Hier gehen die Quellen in einem wesentlichen Punkt auseinander: Historyofwar beschreibt die H-1 als praktisch identisch mit der H-0, mit DB 601 E und GM-1 sowie einer MK 108 oder MG 151/20 als Motorkanone, während die englische und die deutsche Wikipedia sie als Umbau von G-5-Zellen mit einem DB 605 A und GM-1 darstellen. Die deutsche Fassung fügt hinzu, dass sie Rb-50/30- oder Rb-75/30-Kameras im Rumpf hinter dem Cockpit trugen und als Kurzstrecken-Höhenaufklärer über Großbritannien eingesetzt wurden. Die genaue Zahl gebauter H-1 findet sich in keiner der herangezogenen Quellen; alle stimmen darin überein, dass es eine sehr kleine Stückzahl war und dass die H-1 die letzte gebaute Version der H-Serie war.
Anfang 1944 setzte eine Erprobungsstelle der Luftwaffe diese Flugzeuge unter Einsatzbedingungen von Guyancourt bei Paris aus ein; historyofwar beschreibt sie als Jagdaufklärungsverband. Überliefert ist der Fall einer bestimmten H-1, Werknummer 110073, die im Mai 1944 von der Fernaufklärungsgruppe 123 zum Fotoaufklärer umgebaut und in den Tagen unmittelbar nach der Landung in der Normandie eingesetzt wurde; einer ihrer Einsätze sollte die gesamte französische Küste von Cherbourg bis Ouistreham aus etwa 15 km Höhe fotografieren, einer Höhe, die sich als knapp außerhalb der erreichbaren Gipfelhöhe erwies. Bei diesen Erprobungen traten bei hoher Geschwindigkeit starke Flügelschwingungen (Flattern) auf, die die Versuche beendeten.
Weitere Versionen waren geplant: der schwere Höhenjäger H-2 mit zwei MG 17 und drei MK-108-Kanonen in Rumpf und Tragflächen; die H-3, ein leichter Höhenjäger mit zwei 13-mm-MG-131 und einer MK 108; die H-4, ein unbewaffnetes Aufklärungsflugzeug, alle mit dem Triebwerk Junkers Jumo 213 E; sowie die H-5 mit dem DB 605 L und seinem speziellen Höhenlader. Historyofwar ordnet diese Projekte etwas anders ein (die H-3 als Aufklärungsversion mit Rb-50/30- oder Rb-75/30-Kameras und die H-4 als Jagdbomber mit einer 500-kg-Bombe), stimmt aber darin überein, dass keines über das Papierstadium hinauskam. Die errechnete Geschwindigkeit der Version mit DB 605 L, bezeichnet als Bf 109 L, überstieg 760 km/h in 11.000 m.
Auch das Datum der Einstellung wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben: Die deutsche Wikipedia setzt es auf Februar 1944, nicht zuletzt wegen der im Einsatz aufgetretenen Vibrationsprobleme, zugunsten der Ta 152 H von Focke-Wulf; historyofwar hält fest, dass die Serienfertigung Mitte Juli fast einsatzbereit war und dass das RLM das Projekt am 18. Juli 1944 einstellte, als die Ta 152 und die Me 262 bessere Ergebnisse versprachen. Die letzten Studien zu einer Höhen-Bf-109 wurden intern als Me P.1091 fortgeführt, auf G-5-Zellen mit den vergrößerten Flügeln und dem Leitwerk der H, und die Vorarbeiten zur Me 155 gingen als BV 155 an Blohm & Voss über, die Bf-109-Komponenten wie die Außenflügel weiterverwendete. Keine Bf 109 H ist erhalten geblieben.
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