Variante der Messerschmitt Bf 109
Messerschmitt Bf 109 D
Übergangsversion der Bf 109, 1938 gebaut, mit dem Triebwerk Junkers Jumo 210D und vier MG-17-Maschinengewehren; der Standardjäger der Luftwaffe am Vorabend des Krieges kämpfte in Spanien mit der Legion Condor und wurde mit dem Erscheinen der Bf 109 E an Zerstörer-, Nachtjagd- und Ausbildungseinheiten abgegeben.
Eintrag zur Messerschmitt Bf 109

- 647
- Gebaute Exemplare
Geschichte
Die Bf 109 D, nach dem deutschen Buchstabieralphabet „Dora“ genannt, war die letzte mit dem Junkers Jumo 210 angetriebene Version der Messerschmitt Bf 109 und der Standardjäger der Luftwaffe unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Ihr Ursprung liegt in einer Forderung des Jagdflugzeugwettbewerbs von 1934: Das Technische Amt des RLM verlangte, dass die Zelle den leichten Austausch des 19,7-Liter-Jumo-210 gegen den weitaus leistungsstärkeren 33,9-Liter-Daimler-Benz DB 600 erlaube. Die D-Serie war daher als die Version gedacht, die das Daimler-Benz-Triebwerk erhalten sollte, das zuvor in den auf B- und C-Serien-Zellen aufgebauten Prototypen V10, V11, V12 und V13 erprobt worden war; die V10 war bis auf ihren Jumo 210G mit der V8 identisch, und die späteren Maschinen flogen mit dem DB 600A in der Hoffnung auf einen deutlichen Leistungssprung. Die erste Serienausführung dieses Triebwerks, der DB 600 Aa, leistete 960 PS zum Start.
Die industrielle Wirklichkeit machte einen Strich durch die Rechnung. Der DB 600 war knapp, galt für zweimotorige Flugzeuge als ausreichend zuverlässig, für einmotorige Jäger jedoch nicht, und hatte Vorrang für die He-111-Bomber, mit denen die Luftwaffe aufgebaut wurde; zudem war bei Daimler-Benz bereits der Direkteinspritzer DB 601, das eigentlich von allen gewünschte Triebwerk, weit fortgeschritten. Der DB 600A wurde daher für die Bf 109 verworfen, und die gesamte D-Serienproduktion verließ die Werke mit dem Jumo 210D, derselben Triebwerksfamilie wie die B-Serie, was gegenüber dem Direkteinspritzer Jumo 210Ga der Bf 109 C sogar einen kleinen Rückschritt bedeutete. Der 1936 eingeführte Jumo 210D leistete 670 PS (493 kW) und besaß einen zweistufigen Lader, der Start- und Höhenleistung verbesserte. Nur eine Handvoll Prototypen und Propagandaflugzeuge flogen mit dem Daimler-Benz-Triebwerk; die NS-Propaganda fotografierte diese wenigen Maschinen in ständig wechselnden Tarnanstrichen, um den Eindruck zu erwecken, der großmotorige Jäger stehe bereits im Einsatz, und viele frühe Bücher über die Bf 109 fielen darauf herein, ein Irrtum, der bis heute wieder auftaucht. Tatsächlich existieren nur sehr wenige Fotografien einer mit DB 600 ausgerüsteten Bf 109.
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Die Dora war somit der C-Serie nahezu identisch: Die Zelle war im Hinblick auf das schwerere Triebwerk leicht verstärkt worden, und am Spornrad wurden kleinere Änderungen vorgenommen. Die Bewaffnung entsprach der der C-1: vier 7,92-mm-MG-17, zwei synchronisierte über dem Triebwerk und zwei unsynchronisierte in den Tragflächen. Dokumentiert waren die D-0-Vorserie und die D-1-Serienausführung, beide mit dem Jumo 210D und vier MG 17; die D-2 war eine Versuchsausführung mit einer durch die Propellernabe feuernden Waffe, die wie schon bei der C-Serie scheiterte, und die D-3 war als Gegenstück zur C-3 mit zwei 20-mm-Kanonen MG FF in den Tragflächen gedacht. Veröffentlichte Werte für die D-1 nennen eine Länge von 8,70 m, eine Spannweite von 9,87 m und eine Höhe von 3,40 m, ein Leergewicht von etwas über 1,7 Tonnen und ein Fluggewicht von rund 2,4 Tonnen, bei einer Dienstgipfelhöhe von etwa zehntausend Metern.
Die Produktion begann im Frühjahr 1938 und verlief rasch. Bis August machte die Dora fast die Hälfte der 643 Frontjäger der Luftwaffe aus, und Ende Oktober standen fast 600 D-1 im aktiven Dienst. Die Quellen sind sich über die Gesamtzahl uneinig: Die englische Wikipedia zählt 647 Bf 109 D aller Versionen, während die deutsche Ausgabe von etwa 600 spricht. Das Besondere an der Serie ist, dass Messerschmitt selbst fast keine davon baute, nur vier Flugzeuge, vermutlich die D-0-Vorserie, während die Fertigung an die Lizenznehmer Focke-Wulf, Erla, Fieseler, Arado und AGO überging, wodurch die Dora die erste außerhalb Augsburgs in Serie gebaute Bf-109-Version wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die D-1 bereits eine Übergangslösung: Verzögerungen beim DB 601 sorgten dafür, dass die Bf 109 E erst im Frühjahr 1939 verfügbar war, und ab Januar jenes Jahres stellte die Fertigung auf die E-1 um.
Die Dora war das wirkungsvollste Bf-109-Modell, das in nennenswertem Umfang im Spanischen Bürgerkrieg zum Einsatz kam. Die B-Serie war von der republikanischen Polikarpow I-16 Typ 10 übertroffen worden, und erst mit dem Eintreffen der ersten von 36 D-1 im Juni 1938 gewann die Legion Condor ihre Überlegenheit über die republikanische Luftwaffe zurück; als Ende 1938 die ersten E eintrafen, war der Luftkrieg praktisch entschieden. Unter den Dora-Piloten in Spanien war Walter Grabmann, der im September 1938 den Stab der J/88 befehligte. Von den 136 nach Spanien geschickten Bf 109 verblieben 47, darunter B-, D- und E-Flugzeuge, bei Kriegsende 1939 bei der spanischen Luftwaffe. Die D-1 eröffnete zudem die Exportlaufbahn des Typs: Im Winter 1938/39 erhielt die Schweiz zehn von Arado in Warnemünde gebaute, mit Jumo-Triebwerk ausgerüstete D-1 mit den Seriennummern 2301 bis 2310, die ersten ihrer 115 Bf 109. Ungarn erhielt mehrere Flugzeuge, laut englischer Wikipedia drei.
Zu Beginn des Polenfeldzugs im September 1939 verblieben 235 Bf 109 D in der ersten Linie gegenüber 850 Bf 109 E, hauptsächlich bei den Zerstörereinheiten und provisorischen Jagdgruppen, die auf die Bf 110 warteten: Die Bestandsmeldung vom 2. September 1939 führt 28 Bf 109 D bei der I./JG 21 und 43 bei der I./ZG 2. Zu den mit der Dora dokumentierten Einheiten zählen die JGr 102, deren Kommandeur Johannes Gentzen die D-1 während des Polenfeldzugs und im November 1939 bei Speyerdorf flog, sowie JGr 137, JG 141, ZG 26 und ZG 2. An der Westfront wurde am 6. November 1939 eine Bf 109 D der 2./JGr 102 von Curtiss Hawk 75 der französischen GC II/5 abgeschossen, und die Franzosen erbeuteten im September 1939 eine Bf 109 D. Die D wurden rasch abgezogen und durch die E ersetzt, außer bei einigen Nachtjagdeinheiten, die sie bis Anfang 1940 behielten; danach gingen sie an die Jagdfliegerschulen, wo Fotografien sie mit Ausbildungskennungen zeigen, und eine Maschine der Jagdgruppe Drontheim, „Weiße 45“ mit der Werknummer 2674, führte 1941 noch eine Notlandung bei Ulefoss in Norwegen durch. Eine umgebaute Bf 109 D diente zudem als Grundlage für die Rekordmaschine V13 mit dem Triebwerk DB 601R. Im konsultierten Material ist keine erhaltene Bf 109 D verzeichnet.
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