Variante der Junkers Ju 52
Junkers Ju 52/3mg4e
Militärische Transportversion des Junkers-Dreimotors: Spornrad statt Sporn, verstärkter Laderaumboden und verstärktes Fahrwerk sowie seitliche und obere Ladeluken. Sie war Ende der dreißiger Jahre das Serientransportflugzeug der Luftwaffe und beförderte in den Feldzügen 1940 und 1941 Fallschirmjäger und Truppen; drei Schweizer Exemplare flogen bei der Ju-Air bis zum Unfall der HB-HOT 2018.
Geschichte
Die Ju 52/3mg4e entstand aus einer praktischen Erkenntnis: Der Dreimotor, den die Luftwaffe massenhaft als Behelfsbomber bestellt hatte, taugte weit besser als Transportflugzeug. Laut der deutschen Wikipedia wurden zwischen 1934 und 1937 1027 Behelfsbomber ausgeliefert, anschließend wurde die Fertigung auf den Transporter g4e umgestellt; im selben Jahr 1937 erhielt Weserflug zudem den Auftrag, 404 dieser Bomber zu Transportflugzeugen umzubauen. Die historische Seite des Simulators IL-2 Sturmovik, die dieser Untervariante gewidmet ist, legt den Produktionsbeginn auf 1935 vor; die Quellen stimmen im Datum nicht überein, und hier werden beide ohne Auswahl wiedergegeben.
Die Änderungen gegenüber der g3e betrafen vor allem den Bodenbetrieb und den Laderaum. Der Heckschleifsporn, der das Rollen auf Graspisten erschwerte, wurde durch ein Spornrad ersetzt, ein Detail, das die englische, französische und spanische Wikipedia als Erkennungsmerkmal der Version nennen. Die Fahrwerksbeine und der Boden des Laderaums wurden verstärkt, und eine große seitliche Luke sowie eine weitere im Kabinendach wurden eingefügt, um sperrige Frachtstücke einzuladen. Die Motoren blieben drei Sternmotoren BMW 132A, und die Fertigung verteilte sich auf das Junkers-Werk in Dessau und die ATG in Leipzig.
Die Kabine war für schnellen Rollenwechsel ausgelegt: Laut dem Datenblatt von IL-2 fasste sie 18 Passagiere, 12 Fallschirmjäger oder 12 Verwundete auf Tragen und konnte zehn Abwurfbehälter MAB 250 mitführen, die durch die linke Tür des Laderaums abgeworfen wurden; um im Flug abzuspringen oder Fracht abzuwerfen, musste diese Tür zuvor ausgehängt werden. Zur Verteidigung trug sie ein MG 15 im Rückenstand. Diese Innenaufteilung wurde zur Grundlage der späteren Militärversionen ab der g5e.
Die ersten g4e, die in den Kampf kamen, taten dies in Spanien bei der Legion Condor, wo sie neben den g3e sowohl im Bombenabwurf als auch im Truppen- und Frachttransport flogen. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beziffert IL-2 die Transportflotte der Luftwaffe auf 552 Ju 52/3m, darunter 59 von der Lufthansa beschlagnahmte Zivilflugzeuge, 57 g3e und die g4. Die herangezogenen Quellen schlüsseln die großen Luftlandeoperationen von 1940 und 1941 nicht nach Untervarianten auf, aber sie waren das Werk dieser Transportflotte: Am 9. April 1940 brachten 52 Ju 52 eine Fallschirmjägerkompanie und ein Infanteriebataillon in den Norden Jütlands und nahmen den Flugplatz Aalborg ein, den Schlüssel zum Norwegenfeldzug; im Mai bereiteten sich etwa 500 Maschinen auf den Angriff auf die Niederlande vor, wo sie Fallschirmjäger über Den Haag absetzten und Truppen in Ypenburg und auf nahen Straßen landeten; und Ende Mai 1941 beförderten 493 Ju 52 den Großteil der Truppen, die die Luftwaffe nach Kreta brachte, in der größten Luftlandeinvasion der Luftwaffe im gesamten Krieg.
Außerhalb Deutschlands erhielt Bulgarien 1939 zwei g4, und im selben Jahr kaufte die Schweizer Luftwaffe drei Ju 52/3m zur Ausbildung von Beobachtern. Mit den Kennzeichen A-701, A-702 und A-703 dienten die drei Schweizer bis September 1982 und gaben der Variante ein zweites ziviles Leben: In jenem Jahr entstand die Ju-Air, ein Verein von Freiwilligen mit Sitz in Dübendorf, der Spenden sammelte, um sie als HB-HOS, HB-HOT und HB-HOP in die Zivilluftfahrt zu überführen. HB-HOS und HB-HOP begannen 1983 mit Rundflügen und die HB-HOT, die frühere A-702, 1985. Am 4. August 2018 stürzte die HB-HOT fast senkrecht in eine Mulde südwestlich des Piz Segnas in etwa 2470 Metern Höhe, und alle 20 Insassen kamen ums Leben. Die Untersuchung stellte schwere Schäden an der Zelle fest, sah sie aber nicht als Unfallursache; die beiden Schwestermaschinen blieben für Überprüfungen am Boden, und am 12. März 2019 entzog die Schweizer Behörde der Ju-Air die Erlaubnis für kommerzielle Flüge. Im August 2024 wurde der Gedanke aufgegeben, die HB-HOP wieder in Betrieb zu nehmen.
Einige g4e sind erhalten: die FAC-625 im Kolumbianischen Luft- und Raumfahrtmuseum in Tocancipá; die 6134 im Technikmuseum Hugo Junkers in Dessau, der Stadt, in der sie gebaut wurde; die 6693 in der Lufttransportsammlung Wunstorf; die 6821 im Technik Museum Speyer und die 6657 in der Flugzeugsammlung der norwegischen Streitkräfte in Gardermoen. Die A-701 und A-703 werden in Dübendorf bei der Ju-Air restauriert.