Variante der Eurofighter Typhoon

Eurofighter Typhoon DA6

Sechstes Eurofighter-Entwicklungsflugzeug und der erste Doppelsitzer des Programms. Gebaut von CASA in Getafe als XCE.16-01, flog sie erstmals am 31. August 1996 und widmete sich der Avionik- und Systemerprobung für Doppelsitzer, bis sie am 21. November 2002 nach Ausfall beider Triebwerke verloren ging.

Eintrag zur Eurofighter Typhoon

Bild folgt
31. August 1996
Erstflug
1
Gebaute Exemplare

Geschichte

DA6 war das sechste der sieben Entwicklungsflugzeuge, die das Eurofighter-Konsortium unter seinen vier Partnerindustrien aufteilte, und dasjenige, das Spanien zugeteilt wurde. Sie wurde von CASA in ihrem Werk Getafe bei Madrid gebaut und trug die militärische Erprobungskennung XCE.16-01, die bereits die Bezeichnung CE.16 vorwegnahm, die die spanische Luftwaffe später ihren Serien-Doppelsitzer-Typhoon geben sollte. Sie war der erste zweisitzige Eurofighter, der flog: Der Erstflug fand am 31. August 1996 von Getafe aus statt, mit Alfonso de Miguel, dem Leiter des Flugbetriebs von CASA, am Steuer. Sie stieß mehr als zwei Jahre nach der deutschen DA1 und der britischen DA2 zum Programm hinzu, und zwar mit gegenüber den frühen Prototypen bereits aufgerüsteter Avionik sowie Flugsteuerungs- und Nutzsteuerungssystemen; der zweite Doppelsitzer, die britische DA4, sollte erst im März 1997 fliegen.

Innerhalb der Aufgabenverteilung der Flugerprobung wurde DA6 der Avionik und den Systemen für Doppelsitzer zugewiesen, ergänzend zu DA4, die sich auf Flugeigenschaften und Radar der Doppelsitzer konzentrierte. Im Juni 1997 wurde sie im statischen Ausstellungsbereich des Pariser Salons gezeigt, und im Laufe des Jahres 1998 absolvierte sie eine Reihe von Erprobungen zum Nachweis der Einsatzfähigkeit in heißem Klima; bis Mitte August jenes Jahres hatte sie 106 Einsätze und knapp über 96 Flugstunden verzeichnet, von den damals insgesamt 909 Einsätzen und 744 Stunden der gesamten Entwicklungsflotte. Am 9. Juni 1999 flog der Generalstabschef der griechischen Luftwaffe, Generalleutnant Litzerakos, sie in Getafe im Rahmen der auf Griechenland ausgerichteten Verkaufskampagne, und später in jenem Jahr durchlief das Flugzeug weitere Hochtemperaturerprobungen. Im Februar und März 2000 wurde sie zur DERA Boscombe Down im Vereinigten Königreich für die Klimahalle und den Gebläsetunnel verlegt: In ersterer wurde sie extremen Temperatur- und Feuchtigkeitsbereichen ausgesetzt, in letzterem wurden realistische Vereisungsbedingungen am Boden erzeugt, vorbereitend auf Vereisungserprobungen im Flug. Anfang Dezember 2000 schloss sie ein Modifikationsprogramm ab, bei dem Radar und Avionik aktualisiert und eine neue Version der Flugsteuerungssoftware installiert wurden. Am 6. September 2001 unternahm der Chef des Luftwaffenstabs, Generalleutnant Gerhard Back, einen 55-minütigen Flug auf dem Rücksitz von Manching aus, mit dem deutschen Testpiloten Heinz Spölgen vorn; zu diesem Zeitpunkt hatten die sieben Entwicklungsflugzeuge gemeinsam 1.400 Stunden in 1.750 Flügen überschritten.

Am 21. November 2002 wurde DA6 zum ersten Verlust des Eurofighter-Programms. Sie war etwa fünfzehn Minuten zuvor von Getafe zu einem Testflug über der Region Toledo gestartet und befand sich im geraden Horizontalflug in 45.000 Fuß Höhe und Mach 0,7, als beide Triebwerke bei der Stabilisierung für einen Testpunkt pumpten und ausfielen. Die Besatzung – Eduardo Cuadrado, Cheftestpilot von EADS-CASA, und Ignacio Lombo, Testpilot der spanischen Luftwaffe – versuchte erfolglos, die Triebwerke wieder zu zünden, und schoss sich unverletzt mit dem Schleudersitz ab; nach der deutschen Quelle machte der daraus resultierende Hydraulikausfall das Flugzeug unkontrollierbar. Sie stürzte auf freiem Feld in der Nähe des Dorfes Belvís de la Jara in der Provinz Toledo ab, rund 110 km südwestlich von Madrid, und wurde zerstört; sie war voll instrumentiert, was die Untersuchung erleichterte. Die deutsche Quelle zählt dies als den 323. Flug des Flugzeugs, mit 362 Einsätzen und rund 325-326 verzeichneten Flugstunden. Am 12. Dezember 2002 führte der spanische Untersuchungsausschuss den Verlust auf die beiden eingebauten EJ200-Triebwerke früher Entwicklungsstufe (Standard 03A) zurück, zwei von nur noch drei Exemplaren dieses Standards im Programm, und das Konsortium betonte, dass sich der Ausfall mit Serientriebwerken nicht wiederholen könne. Die Flugerprobung wurde am 11. Dezember 2002 wieder aufgenommen, und ab dem 8. April 2003 wurde die deutsche DA1 nach Spanien verlegt, um die durch DA6 entstandene Lücke zu füllen.