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Warum treiben astronauten so viel sport?

Kurze Antwort

Weil Schwerelosigkeit den Körper entlastet: Muskeln, Knochen, Herz und Kreislauf bauen ohne Belastung schnell ab. Deshalb steht Training täglich im Dienstplan der ISS-Crew — ein Laufband mit Zuggurten, ein Fahrradergometer und ein Kraftgerät mit Vakuumzylindern ersetzen das fehlende Gewicht.

Warum treiben astronauten so viel sport?
ISS-50 Shane Kimbrough with the treadmill in the Tranquility module

Was der Körper ohne Last verlernt

In der Schwerelosigkeit trägt niemand mehr sein eigenes Gewicht. Bein-, Rumpf- und Rückenmuskulatur bekommen kaum noch Reize, die tragenden Knochen von Hüfte und Wirbelsäule verlieren Mineralsubstanz — ähnlich wie bei wochenlanger Bettruhe, nur schneller. Auch der Kreislauf stellt sich um: Das Herz muss kein Blut mehr gegen die Schwerkraft nach oben pumpen, Flüssigkeit verlagert sich in Brustkorb und Kopf, das Blutvolumen sinkt. Ohne Gegenmaßnahmen wäre eine Rückkehrerin nach einem halben Jahr im Orbit kaum in der Lage, allein zu stehen.

Drei Geräte statt Hanteln

Gewichte nützen dort oben nichts, weil nichts wiegt. Die Station behilft sich mit Ersatzkräften: Ein Laufband zieht die Crew über Gurte auf die Lauffläche, ein Fahrradergometer fordert Herz und Kreislauf, und ein Krafttrainingsgerät erzeugt Widerstand über Vakuumzylinder und Schwungmassen. Damit lassen sich Kniebeugen, Kreuzheben oder Bankdrücken nachbilden — also genau die Übungen, die auf große Muskelgruppen und auf die Knochen von Beinen, Becken und Wirbelsäule wirken.

Training ist Dienstzeit, nicht Freizeit

Sport steht im Tagesplan wie ein Experiment oder eine Reparatur, samt Auf- und Abbau, Messung von Puls und Leistung und ärztlicher Auswertung am Boden. Die Programme werden individuell zugeschnitten, weil jeder Körper anders reagiert. Die Daten sind zugleich Forschung: Was den Knochenabbau im Orbit bremst, interessiert auch die Osteoporose-Medizin und die Rehabilitation nach langer Bettlägerigkeit. Trotz allem Training folgt nach der Landung eine Erholungsphase, bis Gleichgewichtssinn, Kreislauf und Muskeln wieder zur Erdschwere passen.

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