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Warum tragen astronauten windeln?
Kurze Antwort
Weil es Situationen gibt, in denen niemand zur Toilette kann: Start, Wiedereintritt und Ausstiege im Raumanzug dauern Stunden, in denen die Besatzung angegurtet oder im Druckanzug eingeschlossen ist. Das MAG, eine stark saugende Einwegunterhose, ist dafür die einfachste Lösung. In der Raumstation selbst gibt es eine Absaugtoilette.

Stunden ohne Toilette
Im Raumanzug gibt es keine Tür. Ein Ausstieg dauert viele Stunden, dazu kommen Anlegen, Sauerstoffvoratmen und Druckangleich; bei Start und Wiedereintritt sitzt die Besatzung angegurtet im Sitz, oft mit unsicherem Zeitplan, weil Startfenster verschoben oder Prozeduren wiederholt werden. Für genau diese Phasen tragen Astronautinnen und Astronauten ein Maximum Absorbency Garment, kurz MAG: eine Einwegunterhose mit stark saugendem Polymer, das Flüssigkeit bindet und in der Schwerelosigkeit nicht wieder austreten lässt. Die Windel ist also kein Scherz, sondern die Folge einer Kleidung, die man nicht kurz ablegen kann.
Warum es ohne Schwerkraft schwieriger ist
Ohne Gewicht fließt nichts nach unten. Flüssigkeit sammelt sich zu Tropfen, haftet an Haut und Gewebe und wäre im Anzug ein hygienisches wie elektrisches Problem; freie Tropfen in der Kabine können in Geräte, Augen oder Atemwege geraten. Deshalb arbeitet die Toilette der Raumstation mit Luft statt Wasser: Ein Ventilator saugt Urin durch einen Trichter ab, Feststoffe landen in einem Behälter mit Wechselbeutel. Der Urin wird nicht entsorgt, sondern zusammen mit Kondenswasser zu Trinkwasser aufbereitet.
Vom Notbehelf zum Verbrauchsmaterial
Die Lösung ist älter als die Station. In den frühen Programmen behalf man sich mit Kondom-Urinsammlern und Klebebeuteln, die nur für Männer taugten und regelmäßig versagten. Saugfähige Hosen kamen mit den langen Ausstiegen und den Shuttle-Missionen und machten das Problem für beide Geschlechter beherrschbar. Heute gilt das MAG als unspektakuläres Verbrauchsmaterial, das wie Handschuhe und Filterpatronen zur Ausrüstung gehört; Anzugentwürfe für künftige Mondausstiege sollen längere Einsätze abdecken, arbeiten aber weiter nach demselben Prinzip.
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