Variante der Lockheed L-188 Electra
Lockheed L-188 Electra L-188C
Electra mit größerer Reichweite: rund 1.000 US-Gallonen (3.800 l) mehr Kraftstoff und ein höheres maximales Startgewicht als die L-188A. 55 Maschinen wurden für Northwest, KLM, Qantas, TEAL, Garuda, PSA und Eastern gebaut.
Eintrag zur Lockheed L-188 Electra

- 55
- Gebaute Exemplare
- 98
- Passagiere
Geschichte
Die L-188C war die zweite Serienversion der Lockheed L-188 Electra, des ersten großen Turboprop-Verkehrsflugzeugs aus US-amerikanischer Produktion. Lockheed bot sie Fluggesellschaften an, die mehr Reichweite brauchten, als die erste L-188A bieten konnte. Von außen sahen die beiden Versionen gleich aus, und beide nutzten dieselben vier Allison-501-D13-Turboprops. Der Unterschied lag im Inneren: zusätzliche Tankkapazität und ein höheres zulässiges Betriebsgewicht. In Deutschland nannte man sie inoffiziell „Super Electra“. Das Musterzulassungszeugnis 4A22, das die US-Zivilluftfahrtbehörde am 22. August 1958 ausstellte, galt sowohl für die L-188A als auch für die L-188C.
Laut der englischsprachigen Wikipedia stieg die Tankkapazität von 5.450 US-Gallonen (20.600 l) bei der L-188A auf 6.940 US-Gallonen (26.300 l) bei der L-188C, und das maximale Startgewicht erhöhte sich von rund 51.000 kg auf rund 53.000 kg. Andere Quellen nennen leicht abweichende Zahlen. Ready for Takeoff gibt etwa 1.000 US-Gallonen mehr als bei der A-Version und ein maximales Startgewicht von 52.617 kg an. Die deutschsprachige Wikipedia nennt 52.665 kg und Etappenlängen von bis zu 5.600 km, gegenüber 4.400 km bei der L-188A. Der englische Wikipedia-Artikel zu Northwest-Flug 710 besagt, die L-188C habe 20 % mehr Kraftstoff getankt und eine Nonstop-Reichweite von 5.500 km gehabt. Die deutschsprachige Wikipedia fügt hinzu, die C-Version habe die verbesserten Allison-501-D15-Triebwerke erhalten, was die übrigen herangezogenen Quellen nicht erwähnen.

Von der L-188C wurden 55 Stück gebaut, gegenüber 115 L-188A, insgesamt also 170 Electras. Laut der deutschsprachigen Wikipedia erhielt Northwest Airlines die ersten Exemplare. Die Fluggesellschaft bestellte Ende 1958 zehn Maschinen samt Ersatzteilen und zusätzlichen Triebwerken. Die erste, N121US (Werknummer 1057), kam im Sommer 1959 an und nahm am 1. September den Passagierdienst auf. Bis zum Jahresende standen alle zehn im Einsatz, und Northwest bestellte weitere acht nach, sodass zwischen Juli 1959 und Juni 1961 insgesamt 18 Maschinen ausgeliefert wurden. Dank der größeren Reichweite konnte Northwest die einzige Nonstop-Transkontinentalstrecke des Landes anbieten, zwischen New York und Seattle, mit 72 Sitzen in zwei Klassen.
Außerhalb der Vereinigten Staaten war die L-188C die Wahl der Kunden mit langen Strecken. KLM, die einzige europäische Fluggesellschaft, die die Electra direkt bei Lockheed kaufte, erhielt zwischen September 1959 und Dezember 1960 zwölf Maschinen. Die erste war PH-LLA „Mercurius“. Die Flotte flog in Europa und ostwärts bis nach Saigon und Kuala Lumpur, bis sie 1969 von der Douglas DC-9 abgelöst wurde. Qantas erhielt zwischen Oktober und Dezember 1959 vier Maschinen. Tasman Empire Airways (TEAL), die spätere Air New Zealand, bekam im Oktober und Dezember 1959 drei Stück und setzte sie über der Tasmansee ein. Garuda erhielt im Januar 1961 drei Maschinen. In den Vereinigten Staaten erhielt Pacific Southwest Airlines Ende 1959 drei Flugzeuge, und die letzten fünf der 40 Electras von Eastern Air Lines wurden als 188C ausgeliefert. Capital Airlines bestellte fünf, stornierte aber, und diese Flugzeuge gingen an andere Betreiber. Qantas und KLM entschieden sich für geräumigere Kabinen mit 66 bis 74 Sitzen für ihre längeren Strecken.
Bei der letzten Auslieferung widersprechen sich die Quellen. Die spanischsprachige Wikipedia gibt an, die letzte gebaute Electra sei eine L-188C gewesen, die am 15. Januar 1961 an Garuda übergeben wurde. Die deutschsprachige Wikipedia schreibt, die beiden letzten Electras, c/n 1142 und 1144, seien im Juni 1961 erstmals geflogen und an Northwest Airlines gegangen.
Die L-188C durchlief dieselben Krisen wie der Rest der Familie. Am 17. März 1960 brach die N121US von Northwest (Flug 710) infolge von Propeller-Whirl-Mode-Schwingungen über Indiana in der Luft auseinander, 63 Menschen kamen ums Leben. Lockheed verstärkte auf eigene Kosten die Tragflächen und Triebwerksaufhängungen jeder Electra. Am 12. Juni 1961 stürzte die 1960 gebaute PH-LLM der KLM (Flug 823) beim Anflug auf Kairo ab, 20 der 36 Menschen an Bord starben. Am 17. September 1961 stürzte die L-188C N137US von Northwest (Flug 706) nach einem Wartungsfehler im Querrudersystem beim Start vom Flughafen Chicago O’Hare ab, alle 37 Insassen kamen ums Leben.

Später wechselten viele L-188C in den Frachtbetrieb und in Charterflüge für das Militär. Universal Airlines verlor zwei bei Logair-Flügen für die US Air Force: N855U am 24. August 1970 in Hill und N851U am 19. März 1972. Die panamaische Luftwaffe setzte von 1973 bis 1984 eine ein, Honduras ab 1979 eine weitere, und die Streitkräfte Argentiniens und Ecuadors hatten je eine. Eine L-188C von Tame, HC-AZJ, machte am 4. September 1989 in Taura eine Bruchlandung ohne Todesopfer. Der folgenschwerste Unfall der Electra-Geschichte betraf eine L-188C: Die 1959 gebaute 9Q-CRR von Trans Service Airlift, zuvor bei Lineas Aereas Paraguayas, stürzte am 18. Dezember 1995 überladen bei Jamba in Angola ab, 141 der 144 Insassen starben. Frachtumbauten dieser Version heißen L-188CF. Einige L-188C endeten als Löschflugzeuge in Kanada, etwa der Tanker 482 von Air Spray.
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