Variante der Messerschmitt Bf 109

Messerschmitt Bf 109 K-4

Letzte Serienversion der Messerschmitt Bf 109 und das einzige in Serie gebaute Modell der K-Reihe („Kurfürst“). Sie entstand aus dem Bestreben des RLM, die weitverzweigte Bf-109-G-Fertigung in einen einzigen Standardtyp zu überführen, mit dem Triebwerk Daimler-Benz DB 605 D, einer motorfesten 30-mm-Kanone MK 108, einem hohen einziehbaren Spornrad und der Erla-Haube. Mit MW-50-Leistungssteigerung erreichte sie rund 710 km/h in 7.500 m, die schnellste 109 des Krieges. Ab Oktober 1944 ausgeliefert, kämpfte sie in den Ardennen und beim Unternehmen Bodenplatte, kam jedoch zu spät und in den Händen zu vieler unerfahrener Piloten, um noch etwas zu bewirken.

Eintrag zur Messerschmitt Bf 109

Messerschmitt Bf 109 K-4
Messerschmitt Bf 109 K-4, DreiseitenansichtThe original uploader was B. Huber at German Wikipedia. (Original text: Björn Huber) (CC BY SA), vía commons
560 km
Reichweite

Geschichte

Ursprung: eine vereinheitlichte 109

Anfang 1943 war die Fertigung der Bf 109 G zu einem verwirrenden Flickenteppich aus Unterserien, Rüstsätzen, Werksumbauten und Nachrüstsätzen geworden, der Herstellung und Wartung gleichermaßen kompliziert und teuer machte. Das Reichsluftfahrtministerium (RLM) beauftragte Messerschmitt, den Typ zu vereinheitlichen: Teile und Ausrüstung in einem einzigen Standardmodell mit maximaler Austauschbarkeit zusammenzufassen und dabei die bekannten Schwächen der Zelle zu beheben. Die Arbeiten an der neuen Version begannen im Frühjahr 1943, und der Prototyp war im Herbst fertig. Laut der deutschsprachigen Enzyklopädie übernahm ein Team unter Ludwig Bölkow die Vereinheitlichung, und die K-Serie verdankte ihre Entstehung vor allem dem Drängen des Jägerstabs auf eine rationellere Fertigung.

Mehrere Versionen der K-Familie waren geplant. Die Vorserie K-0 verwendete den DB 605 DM und wurde laut der deutschen Quelle aus G-10-Zellen umgebaut. Die K-1 sollte ab Juli 1944 bei Erla die G-5 mit Druckkabine ersetzen; die K-2 war dieselbe Ausführung ohne Druckkabine, und die K-3 eine geplante Jagd- und Aufklärungsserie (K-3/R2). Keine davon wurde in Stückzahl gebaut: Wegen Konstruktionsänderungen und Verzögerungen beim neuen Triebwerk DB 605 D begann die Serienfertigung im August 1944 direkt mit der K-4, der einzigen in Serie gebauten Version.

Was sich gegenüber der Gustav änderte

Die K-4 vereinte die besten Merkmale der späten G-10 mit weiteren Verbesserungen. Das Serientriebwerk war der Daimler-Benz DB 605 DB/DC (sehr frühe Flugzeuge hatten den DM) mit MW-50-Methanol-Wasser-Einspritzung. Der DB konnte mit B4-Kraftstoff und MW 50 oder mit C3 ohne diesen betrieben werden: Mit B4 und MW 50 leistete er 1.600 PS Notleistung in 6.000 m und 1.850 PS Startleistung bei 1,8 ata Ladedruck. Der DC lief mit C3 und MW 50, mit bis zu 2.000 PS bei 1,98 ata. Der Propeller war ein breitblättriger, dreiflügeliger VDM 9-12159A mit 3 m Durchmesser, wie bei der G-6/AS, G-14/AS und G-10. Das Kurfürst-Datenblatt mit Werten von etwa Mai 1944 führt die beiden Leistungsstufen auf: 30 Minuten bei 100 % (Kampfleistung) und 10 Minuten bei 110 % (Sondernotleistung).

Messerschmitt Bf 109 K-4
Archäologische Rekonstruktion einer Hauptfahrwerksverkleidung der Bf 109 K-4Flugzeughistoriker45 (CC BY SA), vía commons

Die Zelle erhielt serienmäßig das vergrößerte Holzseitenleitwerk mit Ruder, die klarsichtige Erla-Haube und die großen 660 × 190 mm messenden Haupträder, die von der G-10 übernommen wurden, mit ihren rechteckigen Verkleidungen an der Flügeloberseite, dazu erstmals außenliegende Radschachtklappen, die die Schächte vollständig schlossen (Frontverbände entfernten sie häufig). Das lange, einziehbare 350 × 135 mm messende Spornrad war wieder einfahrbar und von zwei kleinen Klappen verdeckt. Die integrierten, asymmetrischen Maschinengewehrverkleidungen, auf der linken Seite für den Lader ausgebeult, stammten ebenfalls von der G-10. Die deutsche Quelle schreibt diesen aerodynamischen Verfeinerungen und dem leistungsstärkeren Triebwerk einen Gewinn von 35 bis 40 km/h gegenüber der G-10 und 60 bis 70 km/h gegenüber der G-6 zu; historyofwar beziffert die K in allen Höhen als etwa zwanzig Meilen pro Stunde schneller als die G-10.

Äußerlich war die K an der nach vorne und höher zwischen die Spanten vier und fünf verlegten Funkerluke zu erkennen; der Einfüllstutzen des Rumpftanks wanderte zwischen die Spanten zwei und drei nach vorn; die Peilschleife wanderte zwischen die Spanten drei und vier nach hinten; und eine kleine runde Platte über der linken Einstiegstufe entfiel. Das Ruder trug serienmäßig eine Flettner-Trimmklappe und zwei feste Trimmleisten. Die Funkausrüstung bestand aus dem FuG 16ZY mit der nach vorn geneigten Antenne der G-10 unter dem linken Flügel, dazu das IFF-Gerät FuG 25a Erstling und das Peilgerät FuG 125 Hermine. Die Sauerstoffflaschen wanderten vom hinteren Rumpf in den rechten Flügel, und Instrumentenbrett und Kraftstoffkreislauf wurden auf Grundlage der Me 262 neu gestaltet. Querruder-Flettner-Trimmklappen, die die Steuerkräfte verringern sollten, waren äußerst selten: Die meisten K-4 behielten das Querrudersystem der G-Serie.

Bewaffnung

Die Bewaffnung bestand aus einer motorfesten 30-mm-Kanone MK 108, die durch die Propellernabe feuerte, mit 65 Schuss, sowie zwei 13-mm-MG-131 über dem Triebwerk mit je 300 Schuss; einige K-4 trugen die MG 151/20 als motorfeste Kanone. Rüstsätze erlaubten einen 300-Liter-Abwurftank (R III), Bomben bis 500 kg (R I), unter den Tragflächen angebrachte MG-151/20-Gondeln (R IV/R VI) oder Wfr.-Gr.-21-Raketen, wobei die beiden letzteren in dieser Phase selten genutzt wurden; die III./JG 26 bildete die Ausnahme, bei der fast alle K-4 die Gondeln trugen, die von den Piloten gehasst wurden, weil sie die Manövrierfähigkeit stark einschränkten. Die MK 108 blieb im Gefechtsmanöver häufig hängen, sodass dem Piloten nur die beiden MG 131 blieben. Das Visier war das Revi 16C; das geplante Kreiselvisier EZ 42 wurde nie eingebaut. Die deutsche Quelle weist ältere Behauptungen über 15-mm-MG-151 in der Motorhaube oder eine serienmäßige MK 103 zurück: Die MK 103 war für die 109 zu groß, zu lang und zu schwer.

Leistung

Mit MW 50 und maximalem Ladedruck war die K-4 die schnellste 109 des Zweiten Weltkriegs: 710 km/h in 7.500 m laut der englischsprachigen Enzyklopädie; die deutsche gibt gemessene 715 km/h in 7.400 m an und 725 km/h für einen Prototyp mit besonderem Dünnblattpropeller. Ohne MW 50 und bei 1,8 ata erreichte sie 670 km/h in 9.000 m. Die Anfangssteiggeschwindigkeit betrug etwa 850 m/min ohne MW 50 und 1.080 m/min mit MW 50, was die deutsche Quelle über die der Tempest V, Spitfire XIV oder P-51D stellt. Deutsche Angaben nennen eine Länge von 8,95 m, eine Spannweite von 9,97 m, eine Flügelfläche von 16,4 m², eine Höhe von 2,60 m, ein Leergewicht von 2.350 kg und ein Startgewicht von 3.360 kg, eine Gipfelhöhe von 12.500 m und eine Reichweite von 560 km (850 km mit dem 300-Liter-Tank). Das Flugzeug blieb den gegnerischen Jägern ebenbürtig, doch die sinkende Qualität der Tausenden unerfahrenen, zum Dienst gepressten Piloten sorgte dafür, dass diese Stärken gegen zahlreiche, gut ausgebildete alliierte Piloten wenig zählten; zudem ging das angenehme Flugverhalten früherer Versionen weitgehend verloren, und das schmale Fahrwerk sowie das Drehmoment des leistungsstarken Triebwerks machten Start und Landung für immer kürzer ausgebildete Piloten heikel.

Produktion

Die Fertigung war bei Messerschmitt in Regensburg zentriert, mit nach den Bombardierungen in die bayerischen Wälder verlagerter Montage und Flugerprobung in Amberg-Schafhof und Obertraubling. Die Auslieferungen begannen Mitte Oktober 1944: 534 Flugzeuge bis Ende November und 856 bis Jahresende; Regensburg hatte bis Ende März 1945 1.593 ausgeliefert, danach fehlen die Zahlen. Die Gesamtzahlen unterscheiden sich je nach Quelle: Die englischsprachige Enzyklopädie nennt „über 1.700“ zwischen August 1944 und März 1945; die deutsche etwa 1.600 ab September 1944, und ihre Abnahmetabellen führen 531 K-4 bis November 1944 sowie weitere 1.065 zwischen Dezember und dem 11. April 1945 auf; historyofwar nennt mindestens 544 bis Ende November und rund 750 Flugzeuge der K-Serie in den letzten sechs Kriegsmonaten; FalkeEins spricht von rund 1.200 ausgelieferten Maschinen. Geplant waren mehr als 3.500 bis Juli 1945, doch nicht alle beteiligten Werke nahmen die Fertigung je auf. Engpässe bei Triebwerken und Kanonen zwangen dazu, die G-10 und G-14 parallel in Produktion zu halten. Ende Januar 1945 standen 314 K-4 – etwa jede vierte 109 – bei den Frontverbänden, und beabsichtigt war, jeden Bf-109-Verband mit dem Typ auszurüsten.

Einsatz

Die K-4 rüstete vor allem Gruppen des JG 4, JG 27, JG 52, JG 53 und JG 77 aus, dazu die III./JG 26 und III./JG 3. Die III./JG 77 übernahm bis Ende Oktober 1944 rund 75 nagelneue Flugzeuge in Neuruppin; bis zum 1. November waren etwa 155 K-4 ausgeliefert. Die Feuertaufe kam am 2. November, als die III./JG 27 bei einem gewaltigen USAAF-Angriff zehn K-4 und neun Piloten für einen einzigen Abschuss verlor. Im November erhielten die III./JG 26 und die III./JG 4 je etwa 35; am 21. November schoss die III./JG 4 über Merseburg und Leuna vier schwere Bomber ab, und am 26. verlor die III./JG 27 dreizehn K-4 gegen mehr als tausend amerikanische Flugzeuge. Nachdem sie den Großteil ihrer K-4 verloren hatte, rüstete die III./JG 26 im Januar 1945 auf die Fw 190 D-9 um.

Messerschmitt Bf 109 K-4
Messerschmitt Bf 109 K-4, 11./JG 3, April 1945 (Illustration)Herbert Ringlstetter (CC BY SA), vía commons

Ab dem 17. Dezember 1944 kämpfte jede K-4-Gruppe an der Westfront zur Unterstützung der Ardennenoffensive: Am 18. gingen mindestens 20 K-4 verloren, und am 23. verlor die III./JG 77 zwölf im Kampf mit den P-47 der 373rd FG. Am selben Tag rammte ein Pilot der III./JG 3, dessen Waffen blockiert hatten, einen B-26 und überlebte am Fallschirm. Am 1. Januar 1945 nahmen im Unternehmen Bodenplatte erhebliche Zahlen von K-4 am Angriff auf alliierte Flugplätze teil, der die deutsche Jagdwaffe praktisch vernichtete; der Kommandeur der III./JG 77, der Experte Heinz Hackler, fiel über Deurne bei Antwerpen der Flak zum Opfer. Italiens Aeronautica Nazionale Repubblicana erhielt drei K-4. Während sich der Krieg um Deutschland zusammenzog, wurden viele Flugzeuge zerstört, bevor sie je im Einsatz waren, und chronischer Treibstoffmangel kürzte die Flugstunden. Die größte Leistung der K-4, so historyofwar, war schlicht, dass es sie gab: Sie kam zu spät und in zu geringer Zahl.

Abgeleitete Projekte

Auf der K-Zelle basierten die geplante K-6 (schwerer Jäger mit zwei zusätzlichen MK 108 in den Tragflächen und 90 kg Panzerung, 3.600 kg Startgewicht; Prototypen wurden in Tarnewitz erprobt), die Aufklärungsversion K-8, die K-10 mit einer MK 103, der zweisitzige Schulflugzeugentwurf K-12 sowie die K-14 mit dem zweistufigen DB 605 L und einem vierblättrigen Propeller, für die 760 km/h und 12.000 m projektiert waren; ihr tatsächlicher Einsatz ist nicht belegt. Keine dieser Varianten erreichte vor Kriegsende die Serienreife.

Messerschmitt Bf 109 K-4
Messerschmitt Bf 109 K-4B. Huber (CC BY SA), vía commons

Multimedia

Messerschmitt Bf 109 K-4
Archäologische Rekonstruktion einer Hauptfahrwerksverkleidung der Bf 109 K-4Flugzeughistoriker45 (CC BY SA), vía commons
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Messerschmitt Bf 109 K-4, 11./JG 3, April 1945 (Illustration)Herbert Ringlstetter (CC BY SA), vía commons
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Messerschmitt Bf 109 K-4B. Huber (CC BY SA), vía commons
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bf-109-k-4Flugzeughistoriker45 (CC BY SA), vía commons
Messerschmitt Bf 109 K-4
Bf 109K-4 der ANR in Mailand-Malpensa (Frühjahr 1945)