Variante der Lockheed P-38 Lightning

Lockheed P-38 Lightning P-38M

Die P-38M Night Lightning war die letzte offiziell bezeichnete Variante der Lightning und die einzige, die ab Werk als Nachtjäger konzipiert wurde. Lockheed gewann sie durch den Umbau von P-38L-Zellen: Hinter und über dem Piloten wurde ein zweites, sehr enges Cockpit für einen Radarbediener eingebaut, unter der Nase hing ein Behälter mit dem Abfangradar, und die Flugzeuge erhielten einen mattschwarzen Anstrich sowie kegelförmige Flammendämpfer an den Waffen. Insgesamt wurden 75 Maschinen umgebaut. Sie kam zu spät: Die Erprobung zog sich bis in den Sommer 1945 hin, und im Pazifik kam sie vor Kriegsende kaum zum Einsatz, ohne je ins Gefecht zu gehen; später diente sie im besetzten Japan und griff in den Händen der CIA in den Putsch in Guatemala 1954 ein.

Eintrag zur Lockheed P-38 Lightning

Bild folgt
75
Gebaute Exemplare

Geschichte

Vom Behelf der Staffel zum Werksauftrag

Der Nachteinsatz der Lightning entstand nicht in einem technischen Büro, sondern in den Einheiten selbst. Im Südpazifik setzten die Detachements der 6th Fighter Squadron, die in Neuguinea und auf Guadalcanal die Douglas P-70 flogen, auch P-38G als Nachtjäger ein, und das Detachement auf Neuguinea baute sogar zwei Lightning zu Zweisitzern um, die ein SCR-540-Radar in einem abwerfbaren Tank mitführten; die Einheit wurde aufgelöst, bevor sie im Gefecht erprobt werden konnten. Im Februar 1944 rüstete die 418th Night Fighter Squadron, stationiert in Dobodura (Papua-Neuguinea), ihre P-38 mit Radar aus, die sich bis dahin auf Suchscheinwerfer verlassen mussten, um den Feind in der Dunkelheit zu finden; ein Leutnant namens Richardson und ein Radarmechaniker erhielten für diese Arbeit die Legion of Merit. Unveränderte P-38G und P-38J flogen weiterhin nachts über Neuguinea und Guadalcanal, mit einigen wenigen erfolgreichen Abfangeinsätzen, und auf den Philippinen setzte die 547th Night Fighter Squadron Ende 1944 und Anfang 1945 mit gewissem Erfolg zwei einsitzige P-38J mit APS-4-Radar ein.

Der Hintergrund war eine Lücke im Bestand der Army Air Forces: Die Northrop P-61 Black Widow, der eigens als solcher gebaute Nachtjäger, kam verspätet. In der Zwischenzeit wurde in Wright Field eine P-38J als Versuchsträger für das Radar AN/APS-4 umgerüstet. Es wurde zunächst in einem Behälter unter dem Rumpf hinter dem Bugfahrwerk montiert, doch die beim Feuern der Buggeschütze ausgeworfenen Hülsen schlugen dagegen, weshalb es unter den Flügel, außerhalb des rechten Triebwerks, verlegt wurde. Es folgten weitere Umbauten von P-38J, einige davon Zweisitzer, bei denen der zweite Besatzungsangehörige huckepack hinter dem Piloten saß, für die 481st Night Fighter Operational Training Group, die die Feldversuche übernahm.

Die Night Lightning

Mit diesen Erfahrungen beauftragten die Army Air Forces Lockheed Ende 1944 (im Oktober, laut History of War) mit dem Umbau einer P-38L zu einem speziellen Nachtjäger. Der Radarbediener saß in einem zweiten Cockpit hinter dem Piloten und etwas höher, unter einer eigenen Haube, die die Kanzel verlängerte; so sah er über den Kopf seines Kameraden hinweg, doch der Platz war so knapp, dass kleinwüchsige Bediener bevorzugt wurden. Das Radar, laut den meisten Quellen das AN/APS-6 (History of War spricht vom AN/APS-4), saß in einem länglichen Behälter unter der Nase, vor den Bugfahrwerksklappen. Das Flugzeug wurde mattschwarz lackiert und erhielt kegelförmige Flammendämpfer an den Waffenmündungen. Die Triebwerke waren turboaufgeladene Allison V-1710-111/113.

Das Datum des Erstflugs stimmt zwischen den Quellen nicht überein: History of War nennt den 5. Januar 1945, und ModelPlanes.de sagt, der erste Flug mit allen installierten Änderungen sei im Februar 1945 erfolgt. Dieser Prototyp absolvierte nur sechs Flüge, bevor er zerstört wurde, doch die Army Air Forces bestellten dennoch 75 ähnliche Umbauten von P-38L, die die Bezeichnung P-38M Night Lightning erhielten. Die Zahl 75 stammt aus der englischen, deutschen und französischen Wikipedia; ein Hobbyforscher, der die Geschichte der 418th Squadron untersucht hat, rechnet mit etwa 80 Umbauten. Trotz der äußeren Zusätze litt die Leistung kaum: Die P-38M war schneller als die P-61, laut dem Museum of Flight um mehr als 30 Meilen pro Stunde gegenüber der P-61A, und insgesamt leistete sie mehr als die P-61B, auch wenn sie einige betriebliche Einschränkungen mit sich brachte. Sie war eines der ersten US-Jagdflugzeuge mit Radar.

Späte Ankunft

Die Erprobung der ersten Serien-P-38M begann im Juli 1945, und im selben Monat trafen fünf Maschinen an einem Ausbildungszentrum in Hammer Field (Kalifornien) ein. Die Schulung der Besatzungen auf dem neuen Flugzeug verzögerte den Einsatz. Die Quellen sind sich über das Weitere nicht einig: Mehrere Wikipedia-Ausgaben und ModelPlanes.de behaupten, die Night Lightning habe gegen Ende des Krieges einige Einsätze im Pazifik geflogen, ohne in ein Gefecht zu geraten, während History of War behauptet, sie sei erst nach Kriegsende in den aktiven Dienst gelangt.

Im besetzten Japan

Das am besten dokumentierte Einsatzgebiet der P-38M ist die Besatzung Japans. Anfang 1946 erhielt die 418th Night Fighter Squadron mit Basis Atsugi, südwestlich von Tokio, vier auf den Philippinen aus P-38L umgebaute P-38M. Als die Staffel Anfang März nach Okinawa zurückkehrte, blieben die Night Lightning in Japan und gingen an die 421st Night Fighter Squadron in Itazuke auf Kyushu, während die meisten P-61 der Einheit ausgemustert wurden. Zu den am häufigsten nachgebauten Maschinen zählt die 44-27234, eine frühere P-38L, die zur P-38M umgebaut wurde.

Nach dem Krieg

Die auffälligste Episode der P-38M ereignete sich 1954. Die von der CIA organisierte Befreiungsluftwaffe flog eine P-38M zur Unterstützung des Putsches in Guatemala, und am 27. Juni 1954 warf dieses Flugzeug Napalmbomben ab, die in Puerto San José den britischen Frachter Springfjord zerstörten, der gerade guatemaltekische Baumwolle und Kaffee lud. Ein weiteres Exemplar, die 44-53097, die heute im Museum of Flight in Seattle ausgestellt ist, war eines der letzten gebauten Lightning: Sie verließ das Werk als P-38L, wurde für die Auslieferung an die Army Air Forces zur P-38M umgebaut, diente in den 1950er Jahren in der Luftwaffe von Honduras und wurde nach mehreren privaten Besitzern 1983 von Doug Champlin gekauft, der sie in die einsitzige Konfiguration der P-38L zurückversetzte.