Variante der Lockheed Martin F-22 Raptor
Lockheed Martin F-22 Raptor F-22A Increment 3.1
Erste große Modernisierung der F-22A nach Indienststellung: APG-77-Radar mit SAR-Bodenkartierung, Selbstzielerfassung für JDAMs mittels bordeigener Sensoren und Mitführung von acht GBU-39 SDB. Die Einführung begann im November 2011 bei Block-30-Flugzeugen.
Eintrag zur Lockheed Martin F-22 Raptor
Geschichte
"Increment 3.1" ist weder ein anderes Flugzeug noch ein Serienlos, sondern ein Modernisierungspaket, das auf bereits gebaute F-22A angewendet wird. Es gehört zum Aufrüstungsprogramm, das die US-Luftwaffe 2003 für ihre im Dienst befindlichen Raptors aufstellte, organisiert in geplanten Inkrementen, die hauptsächlich die Luft-Boden- sowie die Aufklärungs-, Überwachungs- und Erkundungsfähigkeiten erweiterten. Laut dem Bericht des Congressional Research Service (CRS) von 2012 umfasste das Programm vier geplante Inkremente: Increment 2, bereits eingeführt, erlaubte Block-20-Flugzeugen den Abwurf gelenkter JDAMs bei Überschallgeschwindigkeit; 3.1 ergänzte verbesserte Radar- und Bodenangriffsfähigkeit; 3.2A und 3.2B waren für Luftkampf- und Datenlink-Verbesserungen reserviert.
Das Inkrement entstand im Kontext eines für die Luftüberlegenheit gegen die Sowjetunion entwickelten Jägers, der sich inmitten von Debatten über seine Relevanz in der Aufstandsbekämpfung mit neuen Angriffsmissionen rechtfertigen musste. Bereits 2005 beschrieb die GAO, wie die Luftwaffe ein zeitlich gestaffeltes Modernisierungsprogramm aufgestellt hatte, um Fähigkeiten im Rahmen ihres "Global Strike"-Einsatzkonzepts einzuführen: eine Grundphase (Block 20) für schnelleren JDAM-Abwurf aus größerer Entfernung, eine Phase "Global Strike Enhanced" (Block 30) mit verbessertem Radar für Luft-Boden-Einsätze, und spätere Phasen für die Unterdrückung gegnerischer Luftverteidigung sowie volle ISR-Fähigkeit. Die GAO wies darauf hin, dass die Phase "Enhanced" zwei Inkremente umfasste, das erste fällig im Haushaltsjahr 2009 und das zweite 2011; mit der Zeit wurde dieses zweite Los zu dem, was die Luftwaffe Increment 3.1 nannte. Die Pläne von 2005 sahen für die abschließenden Phasen zudem eine Block-40-Konfiguration von 128 Flugzeugen vor, doch die Entscheidung vom Dezember 2004, 96 Zellen zu streichen, erzwang eine Überprüfung von Inhalt und Stückzahlen.
Auf technischer Seite stimmen die Quellen in drei Punkten überein. Der erste ist das Radar: Das elektronisch abtastende Antennenarray AN/APG-77 wurde aufgerüstet, um Bodenkartierung per synthetischer Apertur (SAR) zu ermöglichen und Geländebilder mit ausreichender Auflösung zur Ortung und Zieldesignation zu erzeugen. Wikipedia ergänzt, dass das verbesserte AN/APG-77(V)1, das bereits Luft-Boden-Modi enthielt, im März 2007 zertifiziert und ab Los 5 verbaut worden war; Increment 3.1 nutzte diese Hardware in der Einsatzsoftware und fügte laut derselben Quelle auch Funkpeilung und elektronische Kampfführung hinzu. Der zweite Punkt ist die Selbstzielerfassung: Der Raptor konnte nun mithilfe bordeigener Sensoren eigene Koordinaten für seine JDAMs erzeugen, ohne auf externe Daten angewiesen zu sein. Der dritte Punkt ist die Bewaffnung: Das Inkrement erlaubte die Mitführung und den Einsatz von acht 250-lb-(113-kg-)GBU-39 Small Diameter Bombs, verglichen mit den zwei 1.000-lb-(454-kg-)GBU-32-JDAMs, die die interne Luft-Boden-Zuladung zuvor begrenzt hatten.
Der Zeitplan geht aus Aussagen der Luftwaffe hervor, die der CRS 2009 zitierte: Zum 1. Mai 2009 hatte die Teilstreitkraft 139 der 187 programmierten F-22A abgenommen, die meisten mit Increment 2, und die damals die Linie verlassenden Flugzeuge waren bereits für 3.1 vorbereitet, dessen Einführung im Haushaltsjahr 2011 beginnen sollte. Der Bericht von 2012 bestätigt, dass die Einführung im November 2011 begann. Der damalige Modernisierungsplan wies 3.1 den 63 einsatzfähigen Block-30-Maschinen zu, während die 83 Block-35 ab Haushaltsjahr 2015 Increment 3.2 erhalten sollten; weitere 34 Block-20 wurden für Test und Ausbildung vorgehalten und 3 für Tests in Edwards. Air & Space Forces Magazine verzeichnete im August 2012 einen operativen Meilenstein: Während der Übung Combat Hammer im Utah Test and Training Range wurden F-22 von der Joint Base Elmendorf-Richardson, Alaska, die ersten einsatzfähigen Raptors, die GBU-39 abwarfen. Laut der französischen Wikipedia gaben mit der Acht-SDB-Fähigkeit modernisierte F-22 im April 2016 ihr Kampfdebüt in der Operation Inherent Resolve gegen den Islamischen Staat.
Das Inkrement blieb nicht von Kritik verschont. Derselbe CRS-Bericht von 2012 gibt GAO-Feststellungen wieder, die Kostensteigerungen und Verzögerungen im Modernisierungsprogramm auf Finanzierungsschwankungen zurückführen und feststellen, dass Rechenschaftspflicht und Aufsicht darunter litten, dass das Vorhaben nicht als Major Defense Acquisition Program (MDAP) geführt wurde; ab Increment 3.2B sollten F-22-Aufrüstungen entsprechend behandelt werden. Im Mai 2012 bezifferte das Magazin der Air Force Association die bis 2017 verbuchten Modernisierungen und Verbesserungen auf 11,7 Milliarden Dollar, für eine Flotte, deren Fertigungslinie gerade verstummt war. Während der Debatte von 2009 über den Kauf weiterer Flugzeuge schlug die GAO sogar vor, zusätzliche Zellen direkt in der neuesten verfügbaren Konfiguration, Increment 3.1, statt im Increment-2-Standard zu bauen; der Kauf kam nie zustande.
Als Variante hinterlässt Increment 3.1 kaum physische Spuren: Sein Beitrag liegt in Software, Radarmodi und Bewaffnung, weshalb die Quellen es als Flottenstandard und nicht als Modell behandeln. Seine historische Bedeutung liegt darin, den Raptor erstmals in eine autonome Präzisionsangriffsplattform verwandelt und die Grenze zwischen den modernisierten Block-30 und den Block-35 markiert zu haben, die Increment 3.2 mit Fokus auf Luftkampf mit AIM-120D und AIM-9X erhalten sollten.