Variante der Lockheed L-188 Electra

Lockheed L-188 Electra YP-3A Orion

Die einzige Electra (Baunummer 1003), die Lockheed zum aerodynamischen Versuchsträger und zum YP3V-1-Prototyp der P-3 Orion umbaute; sie flog am 19. August 1958 und landete schließlich als NP-3A bei der NASA.

Eintrag zur Lockheed L-188 Electra

Lockheed L-188 Electra YP-3A Orion
Lockheed YP-3A Orion-Prototyp (Bu No 148276) im Flug, ca. 1961
19. August 1958
Erstflug
1
Gebaute Exemplare

Geschichte

Die YP-3A Orion war kein Serienflugzeug, sondern eine einzelne Electra, die zum aerodynamischen Versuchsträger und Prototyp des Seeüberwachungsflugzeugs P-3 Orion der US Navy umgebaut wurde. Ihre Ursprünge reichen bis in den August 1957 zurück, als der Chef der Marineoperationen die Typenspezifikation Nr. 146 herausgab: Die Navy wollte ein Langstrecken-Patrouillenflugzeug als Ersatz für die kolbenmotorgetriebenen Lockheed P2V Neptune und Martin P5M Marlin, mit mehr Kabinenraum, größerem Einsatzradius und längerer Flugdauer als die Neptune, kurzer Entwicklungszeit und niedrigem Stückpreis. Die letzte Anforderung wies in Richtung einer Abwandlung eines bestehenden Zivilflugzeugs.

Vier Hersteller reichten Vorschläge ein. Der von Lockheed, die Model 185, beruhte auf der L-188A Electra, die seit 1955 in Entwicklung war und noch nicht geflogen war, als ihre Militärversion angeboten wurde. Ihre Stärken waren die Allison-T56-A-10W-Turboprops, die sich bereits an der C-130 Hercules bewährt hatten und eine hohe Reisegeschwindigkeit für den Anflug ins Einsatzgebiet mit sparsamem Kraftstoffverbrauch bei Patrouillenflügen in geringer Höhe und mit niedriger Geschwindigkeit verbanden, dazu die Erfahrung des Unternehmens mit U-Boot-Abwehrsystemen. Im April 1958 gewann Lockheed die Ausschreibung, und im Mai erhielt das Unternehmen einen ersten Forschungs- und Entwicklungsauftrag, der den Bau eines technischen Attrappenmodells einschloss.

Lockheed L-188 Electra YP-3A Orion
Aerodynamischer Lockheed YP3V-1 Orion-Prototyp (Bu No 148276, ex-N1883) im Flug, 1958

Um die Aerodynamik des neuen Entwurfs zu überprüfen, nahm Lockheed den dritten Electra-Prototyp mit der Baunummer 1003 und versah ihn mit einem Attrappen-Waffenschacht und einem Attrappen-Ausleger für den Detektor magnetischer Anomalien (MAD) im Heck. In dieser ersten Konfiguration behielt er noch die Rumpflänge der Electra. In dieser Form absolvierte er seinen Erstflug am 19. August 1958 unter dem zivilen Kennzeichen N1883. Am 7. Oktober 1958 erhielt das Unternehmen den Auftrag, die abgeänderte Electra zum Prototyp YP3V-1 umzubauen: Das Flugzeug wurde auf die Spezifikation gebracht und erhielt die gesamte für das neue Patrouillenflugzeug ausgewählte Ausrüstung. Es flog am 25. November 1959 erneut, nun mit der Militärseriennummer (BuNo) 148276, die es bis zum Ende seiner Navy-Laufbahn 1965 behielt. Die Liste der Electra-Varianten in der englischsprachigen Wikipedia beschreibt es als aerodynamischen Versuchsträger der Orion mit einem um etwa 2 m (7 ft) verkürzten Rumpf, und ihr Artikel zur P-3 fasst zusammen, wie sich die Orion von der Electra unterschied: weniger Rumpf vor dem Flügel, ein sich öffnender Bombenschacht, ein spitzeres Bugradom, der markante MAD-Heckstachel und Außenlastträger unter den Flügeln.

Fast ein Jahr nach dem Flug der 148276 bestellte die Navy eine erste Serie von sieben Vorserienflugzeugen (148883 bis 148889) mit der Bezeichnung P3V-1. Der Typ erhielt im November 1960 offiziell den Namen Orion, und die erste Serien-Orion flog am 15. April 1961. Vor der Einsatzabnahme verteilten sich der Prototyp und die ersten sieben P3V-1 auf mehrere Erprobungsprogramme. Die erste Phase der Navy Preliminary Examination (NPE-1), die das Naval Air Test Center auf der NAS Patuxent River im Juni 1961 begann, betraf nur die YP3V-1; die späteren Phasen nutzten Serienflugzeuge. Mit der Umstellung auf das einheitliche Bezeichnungssystem am 18. September 1962 wurde aus der P3V-1 die P-3A und aus dem Prototyp YP3V-1 die YP-3A.

Das Flugzeug blieb als Versuchsträger nützlich. Das Naval Air Development Center hatte 1960 das Projekt A-NEW gestartet, um alle Einsatzsysteme des Patrouillenflugzeugs über einen einzigen Digitalrechner laufen zu lassen; im Oktober 1963 absolvierte die YP-3A ihren ersten Flug mit der ersten Phase dieses Systems (MOD-1) an Bord. A-NEW führte schließlich zum integrierten System der P-3C.

Nach ihrem Navy-Dienst baute das US Naval Research Laboratory sie zur NP-3A um, und sie ging an die NASA, die sie in ihrem Erdressourcen-Beobachtungsprogramm einsetzte. Die NASA erhielt 1967 ihre erste P-3 und betrieb sie vom Johnson Space Center in Texas aus als Fernerkundungsflugzeug für das Earth Resources Program; sie trug fotografische und Fernerkundungsausrüstung, darunter ein Lidar-Lasersendersystem. Bis 1991 hatte die Behörde drei P-3 auf Wallops Island stationiert und plante, die älteste, diese hier, bis März 1993 auszumustern. Zu diesem Zeitpunkt wies sie noch Merkmale der Electra auf: die aufrollbare Kabinentür, die Passagierfenster und Allison-501-Triebwerke mit einzigartigen Hamilton-Standard-Propellern. Heute ist sie unter ihrem letzten zivilen NASA-Kennzeichen N428NA im National Naval Aviation Museum auf dem Forrest Sherman Field in Pensacola, Florida, als erster Prototyp der P-3 Orion ausgestellt.

Multimedia

Lockheed L-188 Electra YP-3A Orion
Aerodynamischer Lockheed YP3V-1 Orion-Prototyp (Bu No 148276, ex-N1883) im Flug, 1958
Quellen: P-3 Orion Research Group (p3orion.nl)