Variante der Lockheed L-188 Electra
Lockheed L-188 Electra L-188AF
Inoffizielle Bezeichnung für reine Frachtumbauten der L-188A auf Grundlage einer ergänzenden Musterzulassung: seitliche Frachttür, verstärkter Boden und jahrzehntelanges zweites Leben in Frachtnetzen wie Logair, Quicktrans und Zantop.
Eintrag zur Lockheed L-188 Electra

Geschichte
Eine Bezeichnung, die nie das Werk verließ
Lockheed hat nie eine Electra unter der Bezeichnung L-188AF ausgeliefert. Die Bezeichnung – „AF“ steht für „all-freight“ – ist eine inoffizielle Arbeitsbezeichnung für Frachtumbauten von L-188A-Flugzeugen, die auf Grundlage einer ergänzenden Musterzulassung durchgeführt wurden: Maschinen, die als Turboprop-Passagierflugzeuge für Kurz- und Mittelstrecken geboren und später zu reinen Frachtern umgebaut wurden. Deshalb hat die Variante weder einen eigenen Erstflug noch eine werkseitige Produktionszahl: Jede L-188AF ist eine L-188A mit einer zweiten Karriere. Man darf sie nicht mit ihren beiden Schwesterumbauten verwechseln, die gesondert erfasst sind: der L-188PF, einer Passagier-Fracht-Version auf derselben L-188A-Basis, und der L-188CF, dem entsprechenden Umbau der Langstreckenversion L-188C.
Vom Verkehrsflugzeug zum Frachter
Als die Jets die Electra aus dem Passagierdienst verdrängten, erwies sich die Zelle – robust, als Tiefdecker ausgelegt und von vier Allison-501-D13-Turboprops angetrieben – als wertvoller denn als Frachter, nicht als Verkehrsflugzeug. Ab 1968 baute eine Lockheed-Tochtergesellschaft vierzig Electras für den Frachtbetrieb um, mit einer oder zwei großen Türen in der linken Rumpfseite und einem verstärkten Kabinenboden. Diese Zahl von vierzig umfasst die von der Tochtergesellschaft umgebauten Fracht-Electras insgesamt, nicht nur jene, die später L-188AF genannt wurden; das ausgewertete Material nennt für diese Variante keine eigene Zahl, und sie bleibt hier als Lücke stehen.
Logair, Quicktrans und die Vertragsunternehmen
Die wichtigsten Nutzer der Fracht-Electras in den 1970er- und 1980er-Jahren waren die zivilen Vertragsunternehmen der inneramerikanischen Militärfrachtnetze: Logair, von der Air Force betrieben, und Quicktrans, von der Navy betrieben. Dazu gehörten Universal Airlines, Overseas National Airways, Saturn Airways, Trans International Airlines und Zantop International Airlines; auch Hawaiian Airlines setzte Electras im Frachtdienst ein. In Australien ließ Ansett seine drei Electras 1970/71 zu Frachtern umbauen und flog sie bis 1984 weiter.
Zantop-Flug 931
Die am besten dokumentierte L-188AF ist leider ein Unfallflugzeug. Am 30. Mai 1984 flog die Electra N5523 (Werknummer 1034) von Zantop International Airlines als planmäßiger Frachtflug 931 vom Baltimore-Washington International Airport zum Willow Run Airport in Ypsilanti, Michigan, mit drei Besatzungsmitgliedern und einem nicht zahlenden Passagier. Sie startete um 01:10 Uhr und stieg auf Flugfläche 220. Laut dem National Transportation Safety Board (NTSB) betrug ihr Startgewicht etwa 39 Tonnen, darunter knapp 5,6 Tonnen Fracht und rund 6,3 Tonnen Kraftstoff, bei einem zulässigen Höchstwert von etwa 51 Tonnen; der Schwerpunkt lag innerhalb der Grenzwerte. Sie wurde von vier Allison-501-D13-Triebwerken mit Aeroproducts-Propellern angetrieben, und ihre Unterlagen wiesen die Einhaltung aller geltenden Lufttüchtigkeitsanweisungen und Lockheed-Service-Bulletins nach.
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Der Cockpit-Stimmenrekorder zeigte, dass die Besatzung während des Steigflugs Probleme mit den Kreiseln hatte und den vertikalen Kreisel Nr. 1 wählte, um beide Anflug-Horizonte anzusteuern, weil das System Nr. 2 eine Fehlfunktion anzeigte. Gegen 01:44 Uhr, kurz nach einer Kursänderung, geriet das Flugzeug in eine ungewöhnliche Fluglage; die beim Abfangen auftretenden Belastungen überstiegen die Festigkeit der Struktur, und die Electra brach über Chalkhill in Pennsylvania in der Luft auseinander. Die Trümmer verteilten sich über einen etwa 3 km langen Streifen, beschädigten einige Häuser und das Postamt des Ortes, und alle vier Menschen an Bord kamen ums Leben. Die Haupt-Frachttür wurde geschlossen und verriegelt aufgefunden. Die NTSB führte den Unfall auf das Geraten in eine ungewöhnliche Fluglage und die Unfähigkeit der Besatzung zurück, den Flugzustand zu analysieren, bevor die Kontrolle völlig verloren war; ein nicht näher bestimmter Ausfall im vertikalen Kreiselsystem Nr. 2 trug wahrscheinlich dazu bei, und das strukturelle Versagen im Flug beruhte auf Überlastung. Der Kapitän hatte 7.173 seiner 10.047 Flugstunden auf der L-188 absolviert.
Das Ende der Linie
Die meisten Electras, die Ende des zwanzigsten Jahrhunderts noch flogen, waren Frachter. Im Juli 2018 beförderten weltweit nur noch zwei Electras Fracht, beide bei Buffalo Airways, während dreizehn weitere als Löschflugzeuge bei Air Spray und Buffalo selbst im Einsatz blieben; das Material sagt nicht, wie viele davon L-188AF und wie viele andere Umbauten sind.
Multimedia
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