Variante der Avro Lancaster
Avro Lancaster B.VII
Die letzte in Serie gebaute Lancaster, ausschließlich von Austin in Longbridge gebaut, mit einem weiter vorn montierten Martin-250CE-Rückenturm und einem FN-82-Heckturm, beide mit 0,50-Zoll-Maschinengewehren; für die Tiger Force gedacht und später zum Seepatrouillenflugzeug für die französische Aéronavale umgebaut.

Geschichte
Die B.VII war die letzte in Serie gebaute Ausführung der Lancaster und die einzige, die ausschließlich von der Austin Motor Company in ihrem Werk Longbridge in Birmingham gebaut wurde. Austin hatte Ende 1942 den Vertrag Nr. 2827 über die Lieferung von 150 Mk-I-Lancasters erhalten, die zwischen März 1944 und April 1945 ausgeliefert wurden; ab April 1945 wechselte dasselbe Werk zu einem Auftrag über 150 Mk VII, deren Fertigstellung bis September 1946 vorgesehen war, und weitere 30 Mk VII wurden dann zwischen November 1945 und Januar 1946 gefordert. Da die Startbahn von Longbridge zu kurz war, wurden die Flugzeuge als Bausätze im East Works gefertigt und per Straße zu Austins zweitem Shadow-Werk in Marston Green neben dem Flugplatz Elmdon gebracht, wo sie montiert, getestet und von Piloten der Air Transport Auxiliary ausgeflogen wurden.
Was die B.VII auszeichnete, war ihre Verteidigungsbewaffnung, an deren Konstruktion Austin selbst mitwirkte, ebenso wie an Änderungen am Fahrwerk. Der amerikanische elektrisch angetriebene Rückenturm Glenn L. Martin 250CE, ausgerüstet mit zwei 0,50-Zoll-Maschinengewehren (12,7 mm) Browning Mark II, saß weiter vorn als bei früheren Ausführungen, um das Längsgleichgewicht zu wahren, und da er über einen eigenen Mechanismus verfügte, der ein Feuern in das Flugzeug hinein verhinderte, benötigte er keine Sperrblende. Im Heck ersetzte der Turm FN-82 von Nash & Thomson mit zwei 0,50-Zoll-Brownings den FN-20 mit seinen vier 0,303-Zoll-Maschinengewehren (7,7 mm): weniger Rohre, aber deutlich mehr Durchschlagskraft. Der Martin-Turm wurde auch von der späten kanadischen B.X verwendet. Der Antrieb erfolgte durch vier Rolls-Royce-Merlin-24-Triebwerke.

Die Martin-Türme trafen zu spät für die ersten 50 von Austin gebauten Flugzeuge ein, die deshalb als Mark VII (Interim) bekannt wurden; laut der englischsprachigen Wikipedia folgten anschließend weitere 180 echte Mk VII in Longbridge. Die Quellen bringen diese Zahlen nicht mit Austins Verträgen in Einklang, weshalb hier keine einzelne Gesamtproduktionszahl angegeben wird.
Die Ausführung war für den Krieg gegen Japan konzipiert. Ihre Baulose waren für die Tiger Force vorgesehen, den Langstreckenbomberverband des Commonwealth, der während der Operation Downfall von Okinawa aus operieren sollte, und viele wurden im Standard B.VII (FE) für den Fernen Osten fertiggestellt: geänderte Funk-, Radar- und Navigationsausrüstung sowie ein weiß-über-schwarzer Anstrich. Die frühe Kapitulation Japans ließ die neu gebauten Flugzeuge ohne Aufgabe, und viele gingen direkt in die Einlagerung. Nach dem Krieg ersetzte die B.VII (FE), zusammen mit der B.I (FE), allmählich die Standard-B.I in den Staffeln des Bomber Command, und später wurden mehrere eingelagerte B.VII wieder auf die Konfiguration der B.III (Special) zurückgebaut, um im Film „The Dam Busters“ von 1955 aufzutreten.
Die zweite Laufbahn der Ausführung war französisch. Im Rahmen der Westunion, dem 1948 von Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den Benelux-Staaten geschaffenen Verteidigungsbündnis als Vorläufer der NATO, sollte die französische Marine der RAF bei der Sicherung der Schifffahrtswege im Atlantik und Mittelmeer helfen. 1952 wurde eine Partie von 54 Lancasters an die französische Regierung verkauft (die englischsprachige Wikipedia spricht von 59 B.I und B.VII, die von Avro in Woodford und Langar überholt wurden); Avro rüstete sie auf den Standard der Seeaufklärung um, entfernte den Rückenturm und fügte ein verbessertes ASV-Radar, ein luftgestütztes Rettungsboot und eine Zweipilotensteuerung hinzu, und sie erhielten Kennungen einer WU-Serie, für Western Union. Mitternachtsblau lackiert, flogen sie Patrouillen von der Bretagne und Marokko aus, mit der Flotille 25F auf Lann-Bihoué, und gingen gelegentlich bis nach Madagaskar. Auf Neukaledonien setzte die Escadrille de Servitude 9S in Nouméa drei Lancasters für Aufklärung, Such- und Rettungseinsätze sowie Verbindungsflüge im gesamten Südpazifik ein; Ende 1962 gesellten sich, weiß umlackiert, WU15 (ex-NX611), WU13 (ex-NX665) und WU21 (ex-NX664) dazu. Der französische Dienst dauerte bis Mitte der 1960er Jahre, als die Neptune übernahm.
Die bekannteste B.VII ist NX611 „Just Jane“. Im April 1945 in Longbridge als drittes Flugzeug des Tiger-Force-Auftrags gebaut, wurde sie bei der No. 38 Maintenance Unit in Llandow bis 1952 eingelagert, als sie zur WU15 wurde. 1964 schenkte die Aéronavale sie der Historic Aircraft Preservation Society; als G-ASXX registriert, flog sie von Australien aus und landete am 13. Mai 1965 in Biggin Hill. Nach nur wenigen Flügen in Großbritannien absolvierte sie am 26. Juni 1970 ihren letzten Flug nach Blackpool; 1972 wurde sie zur Versteigerung angeboten, im September 1983 von den Brüdern Fred und Harold Panton gekauft und nach zehn Jahren als Torwache in RAF Scampton zum Lincolnshire Aviation Heritage Centre in East Kirkby gebracht. Ihre Triebwerke wurden ab 1993 wieder zum Leben erweckt, und sie kann heute aus eigener Kraft rollen; seit 2017 wird sie auf Flugtauglichkeit hin restauriert. Zwei weitere B.VII der Aéronavale verließen ebenfalls Nouméa für neue Eigentümer im Pazifik: NX665 (WU13), im April 1964 der Royal New Zealand Air Force geschenkt, und NX622 (WU16), der Royal Australian Air Force Association in Perth übergeben.
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