Variante der Saab 2000
Saab 2000F
Frachterumbau der Saab 2000, entwickelt von Täby Air Maintenance (TAM) mit dem Leasinggeber Jetstream Aviation Capital als Erstkunde: 55,4 m³ Laderaum und 6.622 kg Nutzlast, Erstflug im März 2023 sowie ergänzende Musterzulassungen von EASA (Dezember 2025) und FAA (März 2026).
- 6. März 2023
- Erstflug
Geschichte
Ein spät gekommener Frachter
Die Saab 2000 wurde als schneller Passagier-Turboprop geboren und verbrachte ihre gesamte kommerzielle Laufbahn als solcher, doch dieselbe Rechnung, die schon die Saab 340 in die Frachtarbeit gedrängt hatte, holte sie schließlich ein: eine kleine Flotte, wenig abgenutzte Zellen und ein Passagiermarkt, der sie nicht mehr wollte. Saab hatte diesen Ausweg schon sehr früh ins Auge gefasst. Im März 1996, bei nachlassenden Verkäufen, kündigte das Unternehmen eine Passagier-/Frachtkombiversion in zwei Grundkonfigurationen an — 39 Sitze mit 16,4 m³ Fracht oder 16 Passagiere und ein 29,6 m³ großer hinterer Frachtraum —, die keine Bodenverstärkung erforderte und die vorhandene hintere Frachttür nutzte. Diese Kombiversion verließ nie das Reißbrett, und die Produktion endete 1999 nach 63 gebauten Flugzeugen.
Als die Fluggesellschaften begannen, die 2000 durch Jets zu ersetzen, wurden Frachtbetreiber aufmerksam: Sie erwarben die Flugzeuge günstig und ließen die Sitze ausbauen, wobei sie sie als improvisierte Frachter ohne zertifizierten Umbau nutzten.
Das Programm von TAM und Jetstream
Den formellen Umbau übernahm das schwedische Wartungs- und Modifikationsunternehmen Täby Air Maintenance (TAM), das bereits das Frachtprogramm der Saab 340 betrieb — mehr als 35 umgerüstete Flugzeuge — und dieses auf den größeren Schwestertyp ausweitete. Das Programm wurde im Januar 2022 angekündigt, und die Arbeiten am ersten Flugzeug begannen im selben Monat, mit dem in Florida ansässigen Leasinggeber Jetstream Aviation Capital als Erstkunde und Entwicklungspartner; Jetstream ist der weltweit größte Eigentümer von Saab 340 und 2000. Die Laderaumaufteilung besteht aus sechs durch Netze getrennten Rumpfladebuchten sowie den ursprünglichen Gepäckbereichen: ein Gesamtvolumen von 55,4 m³ und eine maximale Nutzlast von 6.622 kg, verteilt auf sechs Positionen mit bis zu 900 kg sowie zwei hintere, auf 800 und 400 kg begrenzte Positionen, mit einer Bodenbelastungsgrenze von 730 kg. Für den Betrieb nach den US-Part-135-Vorschriften ist die Nutzlast auf 3.402 kg begrenzt. Der Laderaum verfügt über einen verstärkten Kohlefaserboden mit integriertem Rollenladesystem und LED-Beleuchtung.
Der Erstflug 2023
Der Prototyp, eine ehemalige Saab 2000 der estnischen NyxAir mit dem Kennzeichen ES-NSJ, flog am 6. März 2023 erstmals als Frachter von TAMs Werkstatt in Örebro, mit Petter Lundquist und TAM-Testpilot Åke Wargh am Steuer. Es handelte sich um einen 59-minütigen Flug nach Wartungsarbeiten unter dem Luftfahrtunternehmenszertifikat von NyxAir, der sich auf Systemprüfungen konzentrierte: Das Flugzeug hatte sich seit dem vorangegangenen Herbst in der Werkstatt befunden, für den Frachterumbau, die reguläre Wartung und ein Avionik-Upgrade. TAM räumte damals Verzögerungen beim Umbau ein und kündigte weitere Flugtests an. Die Entwicklung blieb noch lange offen: Im Februar 2024 wurde berichtet, dass das Zapfluftsystem der 2000(F) neu konstruiert werden musste.
Zulassung und Markteintritt
Die ergänzende Musterzulassung (STC) der EASA kam im Dezember 2025, fast vier Jahre nach Beginn der Arbeiten, wobei sich das erste zugelassene Flugzeug noch in TAMs Einrichtungen am Flughafen Örebro befand und Auslieferungen für die nahe Zukunft angekündigt wurden. TAM reichte die STC anschließend bei der FAA ein, die sie im März 2026 genehmigte und damit den nordamerikanischen Markt öffnete, wo sowohl TAM als auch Jetstream von starkem Interesse der Betreiber berichteten. Im Vergleich zur Saab 340 Cargo bietet die 2000(F) mehr Kapazität, bis zu 30 % höhere Streckengeschwindigkeiten und größere Reichweite und richtet sich an Expressfracht, E-Commerce-Distribution und zeitkritische Logistiknetzwerke.
Die konsultierten Quellen veröffentlichen nicht, wie viele Umbauten abgeschlossen wurden oder wer die Flugzeuge im regulären Betrieb einsetzt; das bleibt eine offene Lücke.