Variante der Boeing 377 Stratocruiser
Boeing 377 Stratocruiser 377-10-19
Prototyp der Boeing 377 Stratocruiser und einziges Exemplar der Version 377-10-19, zugelassen als NX90700 mit der Werknummer 15922. Er wurde am 2. Juli 1947 aus Boeings Werk 2 gerollt und flog erstmals am 8. Juli 1947 auf dem Boeing Field in Seattle, gesteuert von Testpilot John B. Fornasero. Nach der Erprobung wurde er auf den Serienstandard der 377-10-26 gebracht und ging am 24. Oktober 1950 als Clipper Nightingale (N1022V) bei Pan American World Airways in Dienst. 1960 an Boeing zurückverkauft, endete er als Frachter der RANSA mit der Kennung YV-C-ERI und wurde 1969 ausgemustert und verschrottet.
Eintrag zur Boeing 377 Stratocruiser
- 8. Juli 1947
- Erstflug
- 1
- Gebaute Exemplare
Geschichte
Ein Zivilflugzeug aus einem Militärtransporter
Die Boeing 377 Stratocruiser war die zivile Ableitung der Boeing Model 367, der C-97 Stratofreighter, die Ende 1944 erstmals geflogen war; beide gingen auf den Bomber B-29 Superfortress zurück, und das Verkehrsflugzeug nutzte die Tragflächen und Triebwerke der verbesserten B-50 Superfortress. William Allen, seit September 1945 Präsident von Boeing, suchte ein ziviles Flugzeug, um den Rückgang der Militärproduktion nach dem Zweiten Weltkrieg auszugleichen, und ließ trotz der Rezession Ende 1945 fünfzig Stratocruiser bauen, bevor auch nur eine einzige Bestellung einer Fluggesellschaft vorlag. Am 29. November 1945 wurde Pan American World Airways mit einer Bestellung über zwanzig Flugzeuge im Wert von 24,5 Millionen Dollar zum Erstkunden, damals der größte kommerzielle Auftrag der Luftfahrtgeschichte. Insgesamt flossen 4.000.000 Arbeitsstunden in die Konstruktion der 377.
Als unmittelbarer Vorläufer hatte die einzige militärische YC-97B (45-59596) die kommerzielle Version, die Boeing vorschwebte, bereits vorweggenommen, mit runden Fenstern, einem Oberdeck mit 80 Sitzen und der Wendeltreppe zum Unterdeck. Dieses Flugzeug gehört zur Familie der C-97 und darf nicht mit dem zivilen Prototyp 377-10-19 verwechselt werden, um den es auf dieser Seite geht.
Rollout und Erstflug
Die 377-10-19 war der Prototyp der Stratocruiser und wurde nur einmal gebaut; sie trug das Versuchskennzeichen NX90700 und die Werknummer 15922. Am 2. Juli 1947 um 11:30 Uhr wurde sie aus Boeings Werk 2 gerollt. Sechs Tage später, am 8. Juli 1947, unternahm Projekt-Testpilot John Bernard Fornasero Jr. mit ihr den Erstflug vom Boeing Field in Seattle, Washington. Fornasero war knapp drei Jahre zuvor Kopilot beim Erstflug der XC-97 Stratofreighter gewesen.
Das Flugzeug hob um 14:40 Uhr Pazifikzeit ab und war bereits nach etwa 427 m in der Luft. Fornasero stieg auf 3.353 m und hielt während des 1 Stunde und 24 Minuten dauernden Flugs die Fluggeschwindigkeit bei lediglich 418 km/h, deutlich unter der geschätzten Höchstgeschwindigkeit von 547 km/h. Um 16:04 Uhr landete sie, und die Luftschrauben mit Umkehrschub brachten sie nach 366 m zum Stehen. Fornasero sagte den Reportern: „Der Flug verlief ohne Zwischenfälle und war höchst zufriedenstellend.“
Die Triebwerke des Prototyps
Die 377-10-19 wurde von vier luftgekühlten, aufgeladenen Pratt & Whitney Wasp Major B5 angetrieben, Vierreihen-Sternmotoren mit 28 Zylindern und 71,49 Litern Hubraum. Sie hatten ein Verdichtungsverhältnis von 6,375:1, benötigten Flugbenzin 100/130 und leisteten 2.650 hp als normale und maximale Dauerleistung bei 2.550 U/min sowie 3.250 hp beim Start bei 2.700 U/min mit Wasser-Alkohol-Einspritzung. Jedes Triebwerk wog 1.583 kg. Die nachfolgenden Serien-Stratocruiser verwendeten stattdessen die Wasp Major B6 mit 3.500 hp beim Start bei 2.700 U/min mit Wasser-Alkohol-Einspritzung: Die Antriebsanlage gehört zu den dokumentierten Unterschieden zwischen dem Prototyp und den Serienflugzeugen.
Erprobung und Zulassung
Der Prototyp führte eine Flugerprobungsflotte von drei Boeing 377 an, die 402.000 km zurücklegten, um die Grenzen des Flugzeugs vor der Zulassung auszuloten, ein Prozess, der länger dauerte als die Entwicklung der Model 377 selbst. Die erste Fluggesellschaft, die den Linienbetrieb aufnahm, war Pan Am, zwischen San Francisco und Honolulu im April 1949.
Clipper Nightingale: im Dienst von Pan Am
Nach Abschluss des Flugerprobungsprogramms wurde NX90700 nicht als Versuchsflugzeug behalten: Es wurde auf den Serienstandard der 377-10-26 umgerüstet, den der Pan-American-Flugzeuge mit runden Fenstern und einer Bordküche im Heck, und 1950 an Pan American World Airways verkauft. Am 24. Oktober 1950 ging es unter dem Namen Clipper Nightingale und dem Kennzeichen N1022V in Dienst. Zu den zwanzig für Pan Am neu gebauten 377-10-26 kam damit dieser umgebaute Prototyp hinzu. Er blieb bis 1960 in der Flotte von Pan Am, als er an Boeing zurückverkauft wurde.
Frachter in Venezuela und das Ende
Boeing verkaufte ihn anschließend an Rutas Aéreas Nacionales, S.A. (RANSA), die ihn zu einem Frachter umbaute, ihn „Carlos“ taufte und mit dem Kennzeichen YV-C-ERI neu zuließ. Der ehemalige Prototyp wurde schließlich 1969 ausgemustert und verschrottet.
Stellenwert in der Geschichte der Stratocruiser
Insgesamt wurden 56 Stratocruiser gebaut: der später umgerüstete Prototyp und 55 Serienflugzeuge für die Fluggesellschaften. Wegen dieser geringen Stückzahl verlor Boeing mit dem Programm 7 Millionen Dollar. Die 377-10-19 war somit die erste einer kurzen Serie, und ihre Laufbahn spiegelt die des Typs wider: vom Versuchsträger über das Verkehrsflugzeug von Pan Am bis zum gebrauchten Frachter.